subjective encyclopedia

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

LIFE

[1]PER[2]CEPTION[3] OF LIFE[4] IS[5] / AS AN INSIDE[6] JOKE[7] [8] [9] : (LESEN[10] IST[11] GESUND!)[12] [13] [14]

alphi und betli[15] [16] : the 50’ #1[17]

jedes movement, jeder zeitgeist hat seine leser und schreiber, künstler, musiker (und das weibliche geschlecht ist, wenn ichs nicht ausdrücklich davon ausnehme, immer mit im wort[18]) : menschen, die parallelwelten, fantasieländer, gegenentwürfe, seelenlandschaften, hirnreisen, alternativsozietäten und somit alles, was real ist, aufzeichnen und widergeben, aufnehmen und erleben. das ist zwar ein gemeinplatz, aber gerade drum erwähnenswert, weil er auch gerade drum, leicht vergessen wird[19].

seltsames bilderbuch, das ich im illiteratenalter geschenkt bekommen habe : „verkehrte welt“. was um verstandeswillen haben sich die menschen vorgestellt, als sie mir dieses wunderliche bilderrätsel vor die augen gelegt haben? ein fisch angelt einen fischer aus dem fluss, eine eisenbahn fährt auf dem fluss : alles einszueinsverkehrt : was, umpädagogenwillen, soll mir dieses buch erzählen? warum soll ein vierjähriges kind, das sich redlich bemüht, von aussage A zu aussage B sich eine information herauszudestillieren, mit dieser ‚witzigen’ verquertheit der welt (= unendliche verwirrung : no one knows the fuck about anything =  we are lost in the universe)[20] grad auch noch umzugehen lernen? je früher, desto besser = keine fragen, klar! keine antworten, klar! wir wissen auch nicht wie’s geht? eltern : wissen sie, auch nur annäherungsweise, was sie mit ihren zellhaufenkindern tun?[21]

harmlos schien der erwachsenenwelt „alice im wunderland“ als kinderbuch zu sein : und ich habe es doch als sehr verwirrende geschichte gelesen, die vieles etwas fragwürdig erscheinen liess, was die erwachsenen von sich gaben : glich doch einiges den nicht allzuhellen äusserungen der queen : wenn essentielle kinderfragen mit ‚weil es so ist’ (‚warum’ – ‚darum’) beantwortet werden, hört man gleich die königin ‚zuerst das urteil, dann die verhandlung’ brüllen: und das macht dann selbst einem kind wie alice keinen eindruck[22]. parallel habe ich aber doch „drei kleine bären“[23] gelesen, die mir eine ‚heile kinderwelt’ vortheatert und mir, zusammen mit einer lieben mutter[24], zum ‚teddy bear syndrome’ [25] verholfen haben. [26] und babar : der erste comix in meinem leben.[27] grimms märchen, in allen verunstaltungen zu kinderschreckbüchern, sind mir selbstverständlich nicht vorenthalten worden : und haben mich weiterverunsichert : all diese lehrgänge, qua kinderliteratur, die einen zu lebensweisheit hinführen sollten (wohl gipfelnd in goethe „der zweck des lebens ist das leben“, hört, hört)[28], haben nur zu albträumen geführt : die schule des lebens beginnt mit pädagogischem verr ziehen und zerren.

nach abschweifungen zu „rolf der wikinger“[29] und karl may[30] bin ich doch wieder mit alice und lewis caroll[31] hinter alle spiegel verschwunden, diesmal mit der ‚erwachsenenausgabe’ : imlesenerwachen : ganz klar. neugier als leitmotiv im wunderland hinter allen spiegeln.[32]

lost in translation : all the times : the 50’ # 2:[33]

zunge raus, farbstift aufs papier : staunen, dass erstens etwas auf dem papier ist : reine lust : irgendetwas tun : /// was einbricht ist das lob : „das ist eine schöne zeichnung“. keine wertung, was auf dem papier ist – mir ist es egal. das lob normt.[34]

vielvielspäter kam die reinkarnanz auf : ich weiss nicht recht : aber ich war doch ein prunz von meinen lipschten wegen – und da waren wohl wenige im familiären dreieck plus schwestern – aber daran haben die familien damals geglaubt (> religio > teddy bear syndrome > meine lipschte) : ich wills doch bis heut nicht anders : zunge raus vor begeisterung, schmüselen mit meiner lipschte aus lipschtimmerwiederwohlsein : undwensiedanngestorbensindgradnochmalsfürimmerundewigundimmereinsmehr, gäll.

was meinsch? lieb, gäll![35]

lost in transition[36] : the 60’ # 1

zwischen schule und radio : text und ton (motz el son)[37] : die texte, die man in der schule vorgesetzt bekam und analysieren musste waren etwas sehr vom bildungsbürgertum des 19. jahrhunderts (das halt gymnasial ins 20.hineinwirkte) geprägt – und es hing sehr vom lehrer ab, wie ab- und ausschweifungen möglich waren. hier also die perlen der schule (sind nicht viele, wenn man bedenkt, was möglich gewesen wäre : sind doch schon einige millionen titel gedruckt gewesen, weit weg von manufaktur) : friedrich schiller „die räuber“ und dann, etwas später, jean paul „dr.katzenbergers badereise“. aufmüpfig schiller, skurril-weise jean paul : beide nicht grad autoritätsgläubig – daneben die hörspiele, die zwischen urchig und kriminal trotz immergleichen knarr- und anderen versatzgeräuschen eine spracherzählwelt à la oral history andeuteten[38] - und da rein platzte, nach „yeah yeah yeah“ von den beatles das doch lüpfige „i can’t get no (satisfaction)“ der rolling stones[39] [40]. das traf den hormonpegel schnurgerade : wie geht man mit motz el son um – lehrer anmotzen oder still son aufdrehen? ich hab dann mal beides versucht, nicht verwegen, eher naiv (teddy bear syndrome : wenns einen fünfer und ein weggli gibt, warum soll ich nicht beides haben (siehe kinderfragen[41])) : ist nicht gut angekommen, allerseits.[42]

lost & found depart-ment-ality : the 60’ # 2[43]

bitz verloren in hormonen und autoritäten und sozietät (immer noch postpubertär, aber abgegrenzt mittlerweile) : habe ich ein buch gefunden in der neuen „edition suhrkamp“ reihe, das meiner seele (und um die ging es mir damals : meine seele) einen ausweg zeigte : michel foucault „psychologie und geisteskrankheit“.[44] die erkenntnis, ganz rudimentär, war : man kann die geschichte, die bedingungen jeder gesellschaftlichen situation, eines jeglichen individuums ausserhalb des gerade gültigen kodex wahrnehmen. das ist, sage ich heute, nicht gerade das, was foucault geschrieben hat, aber das ist das, was mir aus meinem existenziellen notstand die fluchttüre geöffnet hat. ich habe meine ‚abweichung von der norm’, die mir oft attestiert wurde, nicht mehr als abweichung empfunden, sondern als eigenheit mit qualität, die ohne präjudiz gleichwertig ist mit anderen existenzen.[45] und quasi als nachhang, wichtiger appendix, erschien roland barthes „mythen des alltags“ : auch da : der blick aufs eigene fremde. die einsicht des ethnologen, dass wir die ‚neger’ unserer eigenkultur sind, ist doch wunderlich schön in der wiederentdeckung aller texte, die das schon längst und immer wieder gesagt haben : jean paul, karl philipp moritz, robert walser, charles baudelaire, rimbaud und so viele[46]. und wichtig, georg christoph lichtenberg, der nie einen roman geschrieben hat, obwohl er das gerne gemacht hätte : dafür seine fragmentarischen einträge aufgeschrieben hat, die ein roman ganz eigener qualität sind : ein bester nämlich.[47]

statt aufzuzählen, wer schon alles : was als manierismus in klassischen zeiten abgetan wurde, was als bohemien[48], fremd zur gerade existierenden kultur verstanden wird : das aufmüpfige, das wünschende, unzufriedene : das ist alles parallelwelt und genauso präsent. die fliessende struktur und die starre struktur.

lyrik, nach dem schönen nibelungenlied[49] von ‚klassikern’ nicht überboten, tritt überraschend wieder auf : bob dylans texte sind gedichte, die mit meinem alltag etwas zu tun haben : und das sehr auf der seelenebene : verschmitzt und melancholisch zugleich. beruhigend auch, weil man nicht mehr allein ist mit vagen gefühlen, eine sprache schärft die wahrnehmung.

(na ja) : and here we go : the 60’ # 3

gegenwartsliteratur tritt bei mir quasi mit verzögerung auf : über die lyrik von bob dylan wird mir langsam klar, dass es eine anglophone (amerikanische) literatur nach ezra pound, james joyce und dylan thomas[50] gibt : die rezeption der beat generation im deutschsprachigen raum ist auch verspätet. hype der zeit um 1967 (summer of love) und der hippies ist hermann hesse, vor allem „siddharta“, der bestens zum guruboom passt. ich habe da viel hesse gelesen, durchaus eingenommen : heute kann ich höchstens noch den „steppenwolf“ (der auch der band den namen gegeben hat :„born to be wild“, im film „easy rider“ zu hören) empfehlen : das ist nicht so geschönt wie die anderen texte, hat einen bezug zu urbanem leben. dazu gibt es allerdings bessere texte von den expressionisten, von albert ehrenstein[51], erich mühsam, georg heym, ernst toller.[52] die amerikanische lyrik[53] wurde sparsam über literaturzeitschriften und kleinstmagazine publiziert, erst die bewegungen der 60er jahre, die underground magazines brachten jack kerouac, allen ginsberg, william burroughs jr., gary snyder in mein bewusstsein, die erste platte von den fugs mit ed sanders und tuli kupferberg habe ich wohl erst 1969 gehört : am radio waren sie nicht zu hören.[54] eine ausgabe von HOTCHA! (# 49 „musig extra(kt)“, 1970) widmete sich der musik : moon dog, john cage, dr.john, frank zappa (and the mothers of invention), sun ra, the fugs, captain beefheart. darin wird auch endlich wieder ein neuer piratensender angekündigt : „radio geronimo“.

jack kerouacs „on the road“ (dt. „unterwegs“) war ein ‚gegenwärtiges’ kultbuch : damit wurde auch der zugang zur beat generation möglich : die rezeption von allen ginsberg, lawrence ferlinghetti, gary snyder, william bourroughs jr. folgten.

dass zu der zeit haschisch und LSD auch die autoren und lektüre angeregt hat, ist auch nur eher langsam durchgesickert : die publikationen waren nicht alle erhältlich.[55]

und haschisch war 1967, mindestens mir, nicht so einfach zugänglich : also hat man es mit bronchialzigaretten versucht, die ja ein wenig haschischanteil hatten, gerüchte gingen um, dass man irgendwelche codeinhustensäfte flaschenweise trinken soll. naja.[56]

no fear – we will do it : the 60’ # 4[57] [58]

1967, endlich mal eine zeitmarke wieder, war mir nach der konfirmation klar, dass ich, als mündiges mitglied eines vereins, auch austreten kann : und hab das umgehend getan : trotzig und in der absicht, mein leben in eigene hände zu nehmen.[59] voltaires „candide“, tatsächlich in der schule gelesen, und russels „warum ich kein christ bin“, albert camus „sysiphos“ waren anhaltspunkte genug, meinem unbehagen argumente zu liefern.[60] [61] vietnam hat auch sehr virulent (oder lokalepidemisch[62]) beigetragen, dass krieg nicht gerade heroisch oder sinnvoll erschien. das soldatenkomittee und der friedensrat waren anlaufstellen, nur schienen mir die auch etwas zu wenig frei im denken : sie haben ideologisch und mit politischen strategien gearbeitet, die mir grundsätzlich suspekt waren (siehe „candide“, siehe swift „the battle of books“).[63] 

jetzt kommt aber mal erst der „summer of love“ : ein schönes gefühl der ‚wahrhaftigen’ revolution der liebe : als ob jean paul grad mal alle menschen sich gegenseitig küssen liesse und als ob hollywoods happy-ends auf einem planeten platz genommen hätten und alle tüüfeli in der hölle (vietnam!) schmorten.[64] all die horrortrips, die die aliens auf lager hatten : keiner hats wahrhaben wollen. und dann, na ja, die aliens sind wir, nach wegfall der solidarität, bin ich, alien.[65] back to square one. aber zuerst kommt noch 68 : der polithammer! dubcek – svoboda, ho chi minh, mao tse tung! love&peace gegen politfreaks : als ob seele und verstand mal wieder keinen draht zueinandergefunden hätten und in aller sturheit behaupteten, dass sie recht hätten : das chaos fand tatsächlich in den köpfen statt : sowohl bei den ‚herrschenden’ wie bei den ‚revolutionären’, die 68 plötzlich den ton angaben. davon will ich schweigen, vom 68, weil mir das wohl nicht so toll war : die ideologie, die plötzlich wieder da war, bei den linken und rechten. nicht, dass es mich nicht beeindruckt hätte, mit einem theoretischen überbau zu operieren : aber auch da, ich war bitz hintendrein, und adorno hab ich erst in den 70er jahren mit genuss (jawohl!) gelesen.[66] ja, zu 68 mag ich wenig sagen : da sind die love&peace-träume auf den langen marsch durch die institutionen. kunst, vielleicht sogar das, was ich als kultur empfunden habe, konnte ich nicht mehr als friedlichen impetus empfinden : eine marginalisierung der kultur zugunsten des poltischen denkens fand statt. und die politik war nicht kreativ : sie folgte den altbekannten mustern[67]. dead end.

aber in musik kamen wunderliche erkenntnisse : verpackt in tönen und halbverständlichen worten[68] : die töne vor allem : die stimmen : judy driscoll (season of a witch) : erotik über die ohren, die mir als scheuhasen ohnehin immer glühten.

„together we will stand every boy girl women and man“ (canned heat) : das war out : das war hippy und hippy war out. „i hear my train a-coming“ (jimi hendrix) mit schlechten vorzeichen : weiterlesen : aus dem universum tritt laurence sterne, den alle literaturgscheiten[69] kennen, nur ich noch nicht : und da geht der knoten auf : so, auch so, ist die welt : „L – d! what is all this story about? – A COCK and a BULL, said Yorik – And one of the best of its kind, I ever heard. The End.“[70] back to square one : nur halbwex : denn square[71] war ich nicht mehr, no way. nur bitz no way out : wie weiter. no questions no answers.

utopien penyeach[72] [73] pfundweise the 60’ # 5

hier ungefähr setzt auch die stadtflucht ein : alle rennen aufs land (land ho!), in die wildnis : henry david thoreaus „walden“[74] in der tasche und züchten kräuter aller art : und leben gesund[75] : da immerhin ist auch ein bewusstsein für nahrungsmittel entstanden[76], für die industrialisierung und die produktionszustände in dritten welten.

es gab, in hindsight zum glück, auch die hardcore ‚mister natural’ anhänger. und mit ihnen robert crumb.[77] und die visionisten wie gary snyder (ein utopist der poetischen konvenienz : klarsichtig).[78] und william burroughs, um gleich den antipoden, der gar nicht anti- sondern outspacedpode war, zu nennen (ein dystopist der realistischen sorte).[79] 

did we do it? : the 60’ # 6

the way inside the way outside[80] : insight[81] – outsight : .

dystopien aller art fallen ein und auf : karl kraus „die letzten tage der menschheit“ (und die fackel, grad alles : der wahn des einzelkämpfers gegen die allneurotiker, illiteraten auch), robert walser (ja, ein dystopist von klarstem wahrnehmungsempfinden, grad so, dass man mitverstummt, so sehr ‚wahr’ ist er), arno schmidt : halt auch : der wunderliche selbstwelterfinder im beharren auf ‚ich weiss mehr als ihr und ich bin der herr der wörter’ in seinem schönen bargfeld[82] (und er ist so klar manchmal wie der mond, der sichelmond, der wie ein wc-papier aus seinem hämmeroridialen füdlispalt raushängt, und manchmal so dumpf, wie sein vernebelter feldstecher, der nur ha/eide sieht : ein ärmelschonerkämpfer, ganz antiautoritär verklemmt in seinem (wohl berechtigtem trotz) (und ich bin nicht da, um urteile abzugeben : ich mag und mochte ihn : grad weil er so engstirnig war : er hatte doch auch oft recht : in seinem rumgefurze. aber lebensentwürfe hat er grad gar keine zur hand (auch kein vorwurf!), und seine dystopien sind auch bitz holzschnittig : black & white.) samuel beckett : der grossgelobte, plötzlich (seinen ersten roman hat er 47 verlagen ohne erfolg angeboten) wird, auch dank adorno, mit seinem „warten auf godot“[83] zum menetekel.

albert hofmann hat LSD 1938 entdeckt, respektive isoliert und konsumiert. sein fahrradtrip ist legendär – and now? gibt es hoffnung?[84] die ‚merry prankster’ mit ken kesey[85] und den grateful dead sind unterwegs mit dem ‚the electric cool aid acid test’[86] : das ist eine show, die tatsächlich eine volatile utopie realisiert : verwirrend flüssig hörbar, in einem bus diesmal, der schlingert wie hofmanns fahrrad.

disappeared „where did the good times go?“: the 70’ # 1

woodstock desaster : altamont : ‚get a life pal’!

adorno: reflektion als zauber und schimpfwort. (wer unreflektiert ist, ist nicht so ganz ernst zu nehmen.[87])

pasolini : filme, scritti corsari

ain’t going nowhere : the 70’ # 2

nixon impeachment, raf, paranoia, der deutsche herbst.

robert walser wird wiederaufgelegt. ödön von horvath beisst endlich zu (und wird gleich wieder vergessen).

the news today re: old farts : what’s your fun : the 70’ # 3

leseweise : belle et triste schien eine verinnerlichung der gegenwartsliteratur stattzufinden : es wurde schwermütig, introspektionen und psychoanalysen feierten hochzeit. proust!. dagegen wird die deutsche männergeschichte aufgekracht : theweleit: männerfantasien 1977 (knall & phall : plakativ : aber zeitpassend).

das erinnern setzt ein : gegen  : und der refrain ist nicht mehr so sehr ‚alles später’ (utopeie) oder ‚alles früher’ : es wird alles etwas zeitlos im gedränge der depression : der deutsche herbst mit der wirren (schon wieder wirr) RAF, die doch sehr polarisiert hat : wie doof die auch immer waren : das misstrauen gegen die staatliche repression hat doch solidarisiert : es war die letzte befleckte empfängnis (um eine schräge metapher zu brauchen, die diesem geist des militanten verzweifelns an der unbefleckten empfängnis (für die katholiken unter den genossen) oder der reinheit des geistes (für die protestanten) oder der erleuchtung (für die erleuchteten) : punkt jetzt : es wird nichts keinem gerecht : erklärung ist nicht gefragt : was da bei den genossen (seltsamer gattungsbegriff, auch das, aber man hat sich darauf geeinigt) an kommunikation re:weltrevolution ablief, war wohl nicht sehr global.

the 80’ # 1

es tauchen wieder auf: oskar panizza, antonin artaud, walter serner. dada revival.

opernhauskrawall.

p.m. : eine reflektierte utopie, sprachgewandt (sprachgewandet) macht wege : bolo bolo.

the 80’ # 2

close encounter : the closer i got to the north american culture (and i did in various ways) the more i realized the gap between ‚norhtamerican’ and ‚european’ cultures : and that is nothing which was ever transferred in writing, through books : it is the attitude towards ‚the world’. that’s a big word for a small world but anyhow : even if i was amazingly facinated by the literary output of the northamericans i was absolutely stupified by the shere stupidity of everydays life over there. not that i would think that anyone of the same kind of provincial etc would be any smarter – but it seemd to be more ‚normal’ over there to be ‚average’ to be kind or simply to be ‚stupid’, ie. = normal over there. stupidity seems to be so normal over there that if you are not stupid you are abnormal. that sounds a bit harsh at first sight but i think i can explain it if i have to. (and all of this is not a battle between europe and the new world : i found as many iditots in europe as in north anmerica : and it’s not about idiocy in samll terms anyway – it’s about an attitude towards life and what it’s worth. and well, i hate the europian (if there is something like that, which i deny) attitude as mach as the northamerican (dirto (sic!)) : and so on : vänçi : keep on ratting, gäll!

2000 : durchbrüche[88]

michel foucault wird in den geisteswissenschaften (im deutschsprachigen, anglophonen raum) so sehr rezipert, dass sich fakultäten danach benennen könnten : ist das jetzt ein quantensprung oder doch nur hegels ende?[89]

2008 : another

jetzt wird gefeiert und, wie es so schön heisst, reflektiert. auch verdankt: die 68 sind verantwortlich für das frauenstimmrecht in der schweiz, das bio-verständnis (gesunde nahrung für einen gesunden körper[90] ein neues visuelles erscheinungsbild der werbung und bitz poppig wurde alles auch. die kultur von tränengas und farbstiftkasten wird jetzt halt flektiert, nochmals. das ist oft traurig zu lesen und zu sehen, weil jetzt historifiziert und, trotz aller gegenteiliger beteuerung (quasi cease of fire), mythologisiert wird. am sympathischsten sind mir noch die subjektiven berichte (die dann aber der subjektivität bezichtigt werden : wie dumm! peter bichsel schreibt eine kurze memento mori geschichte in der nzz : und bumm! da sind die besserwisser grad zur stelle). und andere schreiberinnen versuchen sich schon wieder zu rechtfertigen für das, was sie geschrieben haben : der pürzelbäume ist also kein ende : das ist doch grund zur hoffnung. vielleicht ist es ganz schwierig jetzt zu leben, und sich zu erinnern, aber vielleicht ist es auch nicht einfach, ohne erinnerung zu leben (damit jetzt ein gemeinplatz den anderen ablöst). im gemeinplatz, in der kommune, im dasein mit alienunterstützung lebt es sich auch. ohne ebenso.[91] aber swift, ich nenn ihn gern, der übervater der satire, der auch die erste irrenanstalt in irland eröffnet hat und halt, wie es überliefert wird, auch bitz auffälliges verhalten gezeigt haben soll, gegen ende des lebens (ein swifter also), ist auch bei uns : nach wie vor lesbar, sehr.[92]

the end? no way![93]

eine bull and cock story ist das nicht, and one of the best auch nicht – aber es ist eine cats are fancy[94] geschichte, nö döt! stringenz des erzählens ist nicht so ganz mein talent. paul leautaud hat mit wunderlich schönem erfolg ein leben lang tagebuch geschrieben (und umgeschrieben[95]) : und daraus ist auch eine lebenserzählung geworden, in der man sich lesewohl fühlt. vielleicht hätte ich ein tagebuch schreiben sollen. ich habs versucht : geht nicht, weil ich es dann kommentieren möchte. und da bin ich dann bei jean paul, der zu seinen excerpten- und ideenheften stichwortregister und zu den stichwortregistern weitere stichwortregister angefertigt hat : und da wüsst ich gar nicht, wann ich noch schreiben sollte. und überhaupt : jetzt hab ich was geschrieben.[96]




[1] dieser text wurde 2008 begonnen, zuerst gedacht als beitrag zur HOTCHA! nummer von urban gwerder zum wasauchimmerjubiläum von früher. der text wurde halt zu lang und stimmt vielleicht auch nicht immer mit der intention der HOTCHA! sippe überein : was solls – mir ist es anlass zum weiterlesen und -leben. da ich jetzt keine deadline mehr habe, kann ich weiterschreiben : so viel lust ich habe – und so wirds sein. so wirds auch kein kohärenter text : es wird flux und flug, ganz wie die gedanken ihren gegenwärtigen zickzack nehmen.

[2] ‚per se’ : ist das alles wurst : nach dem geschlachteten leben kommt das eine ins kamin, zum räuchern, das abgelassene in den schmalz, das blut in die eine wurst, die leber in die andere, das fleisch zu gargantuas speise : es wird alles und alles verwendet, gekehrt und verwurstet : es kommt in den cyclus des verwurschtetseins : und so ist das mit dem kotende : das ist wieder eine wurscht. dazwischen ist das leben : ebenso. so einfach ist es mit allen totentänzen und narrenschifffahrten: aus einem leben werden würste, aus den würsten werden gelüste, aus den gelüsten werden mahlzeiten, aus den mahlzeiten werden kotwürstchen, aus den kotwürstchen werden (naturwissenschaftlich belegte) neue nahrungsketteneinheiten, dann wirds gras und heu fürs fleisch, und dann kommt bald der metzger wieder. der mensch, das ethische wesen, stellt sich ans ende der nahrungskette : er scheisst nur und ist zu nichts nutz. ich, für mich, will katzenfutter werden. das beste, was der mensch, nach einem schönen leben, werden kann, ist wurst. dazwischen ist das thema, so to speak.

[3] fast schon so, wie eine quiltproducing gruppe an einem, eben, quilt näht, um eine decke zu machen aus bits and pieces, sitz ich multipersonell da, und setze fragmente aus stücken zusammen von ‚damals’ und ‚jetzt’, die nicht immer grad zusammenpassen wollen. that’s it : redundance und rundtanz : erinnern und vergessen : eine decke wird nicht draus, aus dem zeugs (so kann auch nichts vom himmel auf die erde oder die decke auf den kopf fallen, aber auch umgekehrt fährt nichts durch die decke in den himmel), eine bezeugung auch nicht, ein boden, falls vermutet, wird ins bodenlose abstürzen : ist alles freier flug (und der ‚lug’ darin kommt sosehr von ‚luegen’ („ä - lueg mal, äs gämschi“; schauen) wie von lügen : jean pauls giannozzo und bürgers karl friedrich hieronymus von münchenhausen machen alles vor : jede erzählung ist fiction : „quit explaining the obvious, vänçi“ : genau; und „keep inventing your life, vänçi“ : auch genau) : so here we go : all lost with ourselves in the pluri.verse: „directly from my heart to you“ (frank zappa).

[4] „Der Mensch ist ein Flickwerk, ein kunterbuntes Durcheinander“ meldet michel de montaigne, und er hat im kunterbunt einige erfahrungen gemacht : als diplomat und landherr. und mit seinem nierenleiden, und mit seiner melancholie. michel leiris, in seiner „spielregel“, ist zeuge. obwohl es keine zeugen braucht : jeder weiss, was er weiss und zu wissen vermeint. (und das but : „you are not the only who is lonely“ : das : und genau das, das hilft einen deut weiter : das ist der untergang im tränenmeer. (und ich möchte schon jetzt mehr fussnoten zu fussnoten, um alle verzwickungen von autor zu autor zu verzwacken, von sein zu sein : schein : daschein : wie soll ich erzählen, ohne die ganze [...] : alles : schon verloren : den satz, die welt, die erzählung. : ‚here we go’ (tröstlich, der verschleierte optimismus im dahingehen) : HCE here comes everybody : no choice, but it’s my choice to do it : wunder über wunder))).

[5] „Wie kan es auf einer Erde Unsterblichkeit geben, die selber keine hat?“ jean paul: gedanken

 1.38

[6] „for the happy few“ (stendhal)? primär für den eigenen planeten, dann für die planetennahen : happy oder auch nicht. immerhin : kommunikationsreichweite. (warum sind die menschen seit den 50er, 60er-jahren so ufo-versessen? gibt’s zu wenige menschen, die halbwex verstehen, was individuum sagt : und die hoffnung auf verstehen ist bei superhirniextraterrestrischen? lieber inside joke als extravaguen.

[7] PERCEPTION OF LIFE IS AN INSIDE JOKE. davon bin ich überzeugt, sehr. nichts ist unverständlicher als die annahme, dass wesen sich gegenseitig hundertprozentig verstehen können : kommunikation ist work in progress : von da zu da : so auch von ‚welt’ zu ‚wesen’ and vice versa. wenn man mit georg christoph lichtenberg dann sagen kann „ich verstehe mich“, so als fussnote zum eigenen sagen, wie er das tat, dann ist schon vieles klar.

[8] und alles ist paratext : ich verziehe mich gerne in die fussnote, den kommentar, weil die scheinbar weniger dogmatisch sind : stimmt aber nur insofern, als dass ich mir im kommentar schneller widersprechen kann. pierre bayle mit seinem „dictionnaire historique et critique (Historisches und kritisches Wörterbuch)“, 1740, hat da vorgelebt, was ein essay ist : vordergründig alphabetisch geordnet spricht und widerspricht er sich und der ganzen welt, dass die denkgebäude knarren : ein musterbeispiel an reflektiertem insidejokeweltverständnis : solche texte sind klärung und genuss. und eine weitere möglichkeit der fussnote, des kommentars ist, dass sich rhizome verzweigen können : durch alle zeiten und lese- und lebenserfahrungen hin : mehr wundern und staunen als feststellungen : mehr fluss und weniger staudamm. der fluxuskünstler emmett williams hat seine autobiographie unter dem titel „my life in flux and vice versa“ veröffentlicht – ein adäquater titel.

[9] „how was it to grow up in the 50’ies and being THERE (the 60’ies) : could have been worse, could have been a war going on in my city.“ (quotes selber erfinden ist auch eine variante des kommentars : autoquotes quasi). ohne zynismus : i lucked out, i don’t complain. und adenauer, den kalten krieg (‚wart nur, bis die russen ihre pferde im bodensee trinken lassen’ (tränken’?)), die permanente angst vor den atomwaffen, die hochkonjunktur, den koreakrieg, die engerlinge im kindergartengarten, das will ich für den moment vergessen.

[10] das ist schon ein text zu leseerfahrungen + leben : aber das ist nicht trennbar : lebenlesen : „LIFE IS STRANGE! : more to follow...“ (chuck stake) : jetzt aber zurück zu chronopsychotopologos : all parameters lost! : schwirren!

[11] ‚ist’ = durcheinander : ‚esse’ = in limbo : kein statement – ein auftauchen und verschwinden im schwebezustand.

[12] „MUTTER, GIB DEINEM KINDE HONIG!“ war eine reklame in den 50er jahren : und bücher waren das brot dazu : auch sehr gesund. ein honigbuch zum zvieri. aber wasch dir die hände vorher : no traces : life has to be invisible.

[13] das ist ein text übers lesenlebenlebenlesen : ein geschwätziger text mit all den anderen geschwätzigen : wenn denn schon der christliche gott am anfang das wort blabbern liess, so haben auch andere religionen das wort hoch leben lassen (who cares) : die worttiere schwätzen und that’s it. das ist eine variante : schweigen ist auch eine, nichtwortsprache auch eine. es gibt viele sprachen : wer versteht wen : im gewusel der eindrücke und ausdrücke : wie, zum beispiel, spreche ich mit einer heuschrecke? ist schon möglich, alles regarding of your state of mind. franz von assisi hat das gemacht und ist den mystikern drum auch lieb, die zen-koryphänen finden es selbstverständlich und pier paolo pasolini hat es im film „uccellacci e uccellini“ (1966) wundervoll nachgestellt (und dem sprechenden vogel gings dann an den kragen). jetzt aber. hopp : leben, lesen, schreiben : what happens? i’m here : also was jetzt? show me more!

[14] und wie stehts mit dem schreiben übers lesen & leben? es ist nicht alles gesund, was überlebenswichtig ist, es ist auch nicht alles überlebenswichtig, was gesund ist. ‚heute ist nicht die mortalität das hauptproblem der ärzte, sondern die morbidität’ sagte mir mein hausarzt in den sechziger jahren, ‚die leute werden alt und sind lange krank’.

[15] ich lese seit den 50er jahren – das als orientierungspunkt nur, man liest ja nie nur gegenwartsliteratur, aber es gibt eben diese vorlieben der zeit und diese bücher stehen dann in den buchhandlungen und (pestalozzi-) bibliotheken ganz zuvorderst (später verstopfen die bestseller dann die brockenhäuser : gute plätze, um den lesehype vergangener zeiten zu orten) – : ein leseleben mit autoren, büchern und texten, das sehr real ist und meine denkwelt prägt, hat mit meiner alphabetisierung  begonnen.

[16] mäse und mägi waren da noch nicht dabei : tv und soaps auch nicht, war alles noch viel papier (die drei grossen B : buchstaben, bücher, bapier.

[17] eine chronologie ist nur behelfsmässig : damit ich noch ungefähr weiss, woran ich mich jetzt erinnere und damit ich mich nicht im pluribund des ‚alltags’ (dem unendlichen, ewigdauernden, best before : see lid) verliere. lesen ist auch nicht chronologisch und nur „jetzt, diese lektüre“: alles zuvor gelesene mischt sich gegenwärtig wieder ein. es ist also ein witz, wenn ich daten angebe : das sind verschwommene landmarken in einer moorigen landschaft, und viele irrlichter führen auf um-, ab- und rückwege. zeit und raum lassen sich ebensowenig mit gleichen parametern messen wie ich und lebensspanne : also erzähle ich jetzt, immer.

[18] lernprozess : die feministische bewegung hat sich in den 60 jahren zwar noch nicht so sehr mit dem sprachgebrauch im alltag befasst : präsent war sie doch : valerie solanas („SCUM manifest“) mit extremer männervernichtender absicht (witness : john wilcock of obvious fame (village voice, other scenes) (http://www.ojaiorange.com/manhattan_memories/chapter12.php)), germaine greer („the female eunuch“, 1970), etwas später dann (1970) kate millet mit „sexual politics“ – aber gerade sie ist schon seit den 50iger jahren als feministin wortreich geworden. virginia woolfs “orlando“ hätte in der diskussion auch gerne erwähnt sein können, das hab ich aber auch erst später gelesen, in den siebzigern : da war dann woolf wieder bekannter als auch schon, gerade im feministischen kontext. und : es ist ein schönes buch, sehr liebesvoll.

[19] „all you need is love“ : ist ja auch so allgemeinplatzend, dass man es gar nicht hören will : halt bitz back to basics und betriebsblind : aber ab und zu kann man es doch schon sagen, wenns denn kontextuell nötig wird. und zu vietnamkriegseuphoriezeiten war das schon ein kommentar (nicht nur von den beatles, die das zwar gesungen, aber beileibe nicht erfunden haben), der politische konsequenzen hatte. eine regierung einer weltmacht wurde in ihrem handeln in frage gestellt.

[20] und allen ginsberg : „i drag my ass through te universe“ : das hat grad noch gefehlt, dass sich so ein langhaariger schwuler mit bart als KOMET installiert! und mit indischer quetschkommode! (aber das kommt erst viel später.)

[21] ja, sie wissen, was sie tun. eltern überlegen sich viel. nur, wie ihr überlegen sich umschlägt in kinderdasein : das wissen sie nie. das wissen auch die kinder nicht. welt ist welt : die eltern sind teil davon, die kinderbücher auch, der kaminfeger, der schreckliche auch : alles : no blame. ist halt alles.

[22] ‚sentence first – verdict afterwards’

“Why, there they are!” said the King triumphantly, pointing to the tarts on the table. “Nothing can be clearer than that. Then again – ‘before she had this fit’ – you never had fits, my dear, I think?” he said to the queen.

“Never!” said the Queen, furiously, throwing an inkstand at the Lizard as she spoke. [...] “Then the words don’t fit you,” said the King looking round the court with a smile. There was a dead silence.

“It’s a pun!” the King added in an angry tone, and everybody laughed. “Let the jury consider their verdict,” the King said, for about the twentieth time that day.

“No, no!” said the Queen, “Sentence first – verdict afterwards.”

“Stuff and nonsense!” said Alice loudly. “The idea of  having the sentence first!”

lewis caroll: through the looking glass

[23] jochen, putz und wullebäggli hiessen die : und ich hatte dann auch drei kleine teddybären, mit welchen ich meine geschichten nachstellen konnte : plus vaterbär und mutterbär : superinstallation des familiären dreiecks : so war es halt : ich und zwei ältere schwestern. seltsamerweise waren jochen und putz die älteren, wullebäggli die jüngste : so waren die geschlechter halt vertauscht : das war mir egal, weil das hab ich glaubs damals noch nicht so sehr fest kapiert. ganz schlicht kamen dann – viel später (refrain) freud mit seinem witz plus ödipus (auch verwirrend : leitmotivisch nunmehr schon : verwirrend im irrsein : wie kann man in all der verwirrung noch irr sein = normal (‚ver’ alls negation des ‚irrens’ mal gelesen : so als ‚hallo, ihrrt auch, mein herr, wohin des abgruntz?’) : alles un-zu-länglich) : und eben deleuze/guattari : anti-ödipus! endlich ein heilmittel gegen alles, was die geschichte aufgetürmt hat, so kreuz und quer : das war dann rhizom : das war ein schönes wuchern des denkens, jawohl!

[24] sie fand es seltsam und beunruhigend, dass ich mit den spielzeugsoldaten meines vaters spielte und dann auch einen ‚dinky toys’ panzer wollte. ihr seufzender kommentar war dann, begleitend als melodie : „vielleicht ist es besser, er macht das als kind, dann muss er als erwachsener nicht mehr militärlen“ : das im pragmatischen verbund mit „das schlimmste, was einer mutter passieren kann, ist, ihr kind im krieg zu verlieren“. ihr misstrauen gegenüber männermachtpolitik war zwar nicht immer ausformuliert, aber krieg fand sie in jedem fall vom allerdümmsten, was männer erfinden konnten. (alles wahr : ich wollte um keinen preis ins militär, später, als es akut wurde : nachdem ich, bis etwa 14, so im schlepptau meines vaters doch eine liebe zu strategischen modellen in kriegstechnik entwickelt hatte. aber menschen erschiessen war mir dann doch etwas zu real : wo beginnt man (ich) zu begreifen, dass abstraktes wie strategie oder politik wieder im faustkampf des kindergartens mit anderen mitteln (clausewitz) endet? wer hat das gesagt : „chess is complex but not profound’? führen hormonelle revolutionen wie die pubertät zu : einerseits aggression (männerbünde (theweleit : männerfantasien)) oder zu pazifismus (oder anarchismus (individuellem) – wie auch immer : warum dann je einer seinen kinderteddybear als general plattwaltz oder als revolutionär luv interpretiert : das ist ‚complex and profound’ : unberechenbar.

[25] als ‚teddy bear syndrome’ bezeichne ich einen differenzierten hang zu utopien, der in einem wohligen liebesbewusstsein (oder liebesdasein) gründet. ein wichtiger und unermüdlicher vertreter des TBS ist ernst bloch („das prinzip hoffnung“). der undiffernzierte hang ist zum glück (sic!) auch sehr verbreitet – und oft schöner zu lesen als der von ideologie nicht immer freie ‚differenzierte’. paul scheerbart, verfasser der „mopsiade“, der „machtspässe“ und unermüdlicher forscher im bereich des „perpetuum mobile“, das er sehr ernsthaft als erlösung der menschheit von aller sklaverei betrachtete (zu recht!), ist als wunschdenker unvergleichbar im deutschen sprachraum : wohl kaum einer hat wie er die deutsche ernsthaftigkeit, die auch beim deutschen dadaismus durch ‚karnevalistische humorigkeit’ nerven kann (obwohl es wohl viel mut gebraucht hat, zu stottern, statt wie thomas mann zu schreiben : und da ist grad schön, wie heinrich mann, halt der ältere der manns, mit seinem „untertan“ ganz sprachlichnichtsobrilliantunbürgerlich viel besser als thomas ‚die bügelfalte mit schäferhund’ und mit seiner nichtvorhergewussten marlene dietrich im „professor unrath“ („der blaue engel“) angekommen ist bei menschen, die nicht grad steif in venedig tödelten (wenn ich jetzt noch wüsste, wie man fussnoten zu fussnoten fügt : egal, hier ist eine : und wenn dann die zwei in zwei sehr gegensätzlichen filmen : “der blaue engel“ und  viscontis „tod in venedig“ popularisiert werden : jo, was wollt ich jetzt sagen : da ist mir heinrich lieber – obwohls egal ist : aber eine verfilmung von panizzas „liebeskonzil“ wär mir dann grad nach dem blauen engel doch auch besser-spannender gewesen), überwunden, gerade auch im ‚perpetuitismus’, wie ich es ihm, scheerbart, zu ehren nenne. er ist der perpetuist des unbegründeten wunsches ad lib. (des wunsches, der keine andere rechtfertigung braucht, weil er durch blosses dasein berechtigt ist. (ja, und deleuze/guattari haben das dann später auch thematisiert, eben später.) 

[26] seltsame (ein-)brüche in die ‚heile welt’ : 1956 der ungarnaufstand : irgendetwas lief da schief in der welt. die eltern hörten während dem sonst gesprächigen mittagessens radio : die kinder mussten still sein : unruhe, angst. es war ein revolutionäres mitfiebern, dann, nach einiger zeit, ein doch unartikuliertes mithelfen : die ungaren hatten sich eine solidarität erwirkt, die mir erst später als west-ost, kommunismus vs. kapitalismus-diskurs klar wurde. aber latent hiess die message : freiheit gegen diktatur. und die angst, die anspannung, das wissen um : die welt ist nicht „drei kleine bären“ : das war klar : das familiäre bärendasein hat eine bedrohung. das unerklärliche exisiert, ganz gottlos (of no interest) : aber : meine eltern verloren die absolute familienbärsicherheit : there is an outer world which can fuck up my life : und das ist nicht gott, nicht mighty teddy bear : da ist etwas wie politik : sehr undefinierbar, sehr beängstigend.

[27] mickey mouse war aber nicht babar (=pädagogisch wertvoll?) : mickey mouse war schund (schundliteratur hiess das immerhin, literatur also : und wie hat sich nun babar von mickey unterschieden? war er ein bisschen witziger? (oh je : hans witzig (no joke implied, so hiess der) hat ja meine kindheit auch überschattet: der hat gelehrt, wie man aus kügelchen und strichen figürlis machte, die halbwex wie menschlein, tierlein oder sonstwasaussahen : ein ganz figurativverscheuerter, der dachte, dass kinderlein, wenn sie die welt dann halbwex figurativ abbilden = die arme nicht aus den ohren und die sonne kein dreieck, und zwischen den beinen auch gar nichts ist, also der, also den, den hat man mir auch als vorbild gesetzt. da war mir aber das silvabuch mit den flämischen malern doch lieber : hab ich ja nicht gewusst, was das ist, aber der freiluftschwimmende sankt irgendwas vom hieronimus bosch (nur schon der name : wunderwelt) war mir der libschte, verwirrendschte) : und fix und foxy (supertitel!) war noch mehr schund. das waren kinderschädigende publikationen. tarzan war dann definitiv als comix erwachsenenschundliteratur : weiss der teufel warum : als text war edgar rice burroughs akzeptabel. und das dschungelbuch auch, mit mogli und den tigern und so. tarzanhefte hab ich mir von einem schulkameraden ausgeliehen und versteckt (ist natürlich aufgeflogen und mit stirnrunzeln kommentiert worden : und schwupps hab ich einzwei seriöse bücher erhalten – als ich dann aber noch das alte luftgewehr von demselben kameraden bekommen habe, war die geduld der eltern bald zu ende : das wurde konfisziert. dass der vater des kameraden polizist war und mein vater milizoffizier, hatte da keinen einfluss mehr). alles undurchsichtig – kinder können die beweggründe der eltern selten verstehen. aber die jugendbücher à la „unter dem römerhelm“, die mir mein vater aus seiner jugendkiste gegeben hat, waren auch nicht viel unschundiger, obwohl ich sie gern gelesen (blutrünstig geht’s da zu und her!) und fraktur lesen gelernt habe. 

[28] tatsächlich auf dem kalenderblatt zu meinem 57sten geburtstag : hab ich nicht besseres verdient? einen jean paul zum beispiel, der mir, ohne dass ich gelangweilt die augenbraue gezuckt hätte, hätte sagen dürfen : „heute ist immer“. (und doch : noch was verwirrenderes hätt ich mir gewünscht : offensichtlich in verwirrung aufgewachsen, nährt man sich irgendwann auch davon : und kann die bratwurst von den leckerbissen unterscheiden.)

[29] in zehn bänden etwa, elternapproved : das war eine kulturvermittelnde europareise bis in den näheren orient, mit kontakten zu arabern also. durchaus ‚liberal’, man könnt fast denken, dass lessings ‚nathan’ in der bibliothek des autors war.

[30] und meine älteren schwestern liessen gleichzeitig peter kraus und andere deutsche schlager laufen : im radio kam tatsächlich mal etwas verrücktes, das ich im nachhinein als chuck berry identifizierte : eine verwirrende vorpubertäre zeit, die ich mir beinah noch weniger zurückwünsche als die pubertäre, aber nur fast, und mit vorbehalten. mit änderungsvorschlägen jedenfalls, für beide zeiten. (wer kinderwünsche hat : man darf sich schon an die eigene kindheit im detail erinnern, bevor mannfrau sich zur reproduktion entschliesst).

[31] lewis carroll: „alice in wonderland“, „through the looking glass“; und nicht zu vergessen „sylvie and bruno“, das mit den schönen worten „Less bread! More taxes!“ beginnt und sich wunderschön in dieser stringenten logik weiterbewegt.

[32] aldous huxley: „the doors of perception“ (reclam-ausgabe) : das kam erst etwas später. auch wenn es etwas akademisch, oder eher übersensibelig ichig daherkam, wars doch ein schönes buch zu LSD und anderen drogenerfahrungen. (die wahrnehmung der falten in der hose, oder sowas ähnliches, die er so als crucially mystical erzählt : das kam mir überkandiddelt vor : als ob er die sensibilität ins britische empiere eingraben wollte : aber das war wohl mein missverständnis und seine zeitverhosenheit : ‚weird stories : all true!’ (ich weiss nicht so genau warum, aber ich habe eine ausgeprägte abneigung gegen das ästhetisierte beschreiben dieser wohl durchaus outstanding experience, diese wohlabgestimmte überlegenheit, die aber doch sehr auf eine bürgerlichkeit referiert. da ist auch ernst jünger ein olympiabesteiger : die überspermatozoen, die ein neues, besseres geschlecht zeugen wollen : alles gruseligster geistesbiologischerspinnzeugismus : als ob je einer oder eine so wie die typen sein wollte : gaht’s noh?!!! (und da, als fussnote zur fussnote, als untersohle zum gehwegwerk : halt auch stefan george, der ja ein rechtschaffener mann gewesen sein mag, aber mit seiner gemeinde schon alles in den gefolgschaftstümpel gesetzt hat : menschen, die eine gefolgschaft wollen, verabscheue ich : einzelgänger, hmm, naja, sind meistens besser (mit eben dem hmm naja vorbehalt).

[33] „sprachlos bin ich immer“ : says the babbler : and babbles on.

[34] tönt blöd und platt und pädopfupfig : ich denk, dass ich schwer gegängelt wurde in richtung ‚guter zeichner’ : jetzt möchte ich grad jean pauls meinung wissen dazu : weil ich hab mir das zeichnen später neu erfinden müssen. nur : wie hat jean paul sein schreiben erfunden? alles wohl nur durch FREAK OUT! der absturz zur eigenen sprache : wer weiss das? „nichtsniemandnie“ : oder : wennichkeinefix&foxygelesenhättewärichaucheinanderer. alles blödsinn. die determination qua vergangenheitsexplination ist ja manchmal erfroschend : aber ich bleib frosch wie frosch. (och : ich mag die vergangenheitsbewältigungen bis in die fünfte präinkarrnation so sehr wie ahnengalerien und stammbäume so sehr nicht : ich mag vom baum meines uraffen herkommen : i don’t care (und mag ihn auch nicht handschüttelnd begrüssen à la sali urgrosspapi) : aber das war halt auch eine demenz : reinkar(de)menz.

[35] bei den beatles war der text etwas sprachlos geraten : die message aber sehr wohl verständlich : basics :

Love, Love, Love.

Love, Love, Love.

Love, Love, Love.

There's nothing you can do that can't be done.

Nothing you can sing that can't be sung.

Nothing you can say but you can learn how to play the game.

It's easy.

Nothing you can make that can't be made.

No one you can save that can't be saved.

Nothing you can do but you can learn how to be you in time.

It's easy.

All you need is love.

All you need is love.

All you need is love, love.

Love is all you need.

All you need is love.

All you need is love.

All you need is love, love.

Love is all you need.

Nothing you can know that isn't known.

Nothing you can see that isn't shown.

Nowhere you can be that isn't where you're meant to be.

It's easy.

All you need is love.

All you need is love.

All you need is love, love.

Love is all you need.

All you need is love (All together, now!)

All you need is love. (Everybody!)

All you need is love, love.

Love is all you need (love is all you need).

Yee-hai!

Oh yeah!

She loves you, yeah yeah yeah.

She loves you, yeah yeah yeah.

wie das dann, nur zum beispiel, mit meinen lehrern hätte funktionieren können, war mir nicht klar. trotzdem : in der peace for all atmosphäre und dem hype um die beatles war das eine aussage. siehe utopien, teddybearsyndrome : gemeinschaftsgefühl ist einsamen zwar suspekt, aber auch verführerisch schön : und einsam war ich als pubertierender, wie viele auch. und auf abstrakter ebene, ohne körperkontakt, war das eine flugbahn der wünsche. und heute : wie erschüttert bin ich, wenn ich die übersetzung von absolut nichts in einen zeitkontext (damals, 16 jährig) vollziehe, um ein bisschen sinn herauszuziehen, der mir einmal verständlich war, den ich tatsächlich noch als ‚ja doch, das hat mir gutgetan’ nachvollziehen kann. die übersetzungshilfe ist : was mir heute gut tut, kann ich genausowenig erklären, weder jetzt noch in der zukunft – nur bin ich jetzt bitz vorsichtiger und gelassener zugleich. vorsichtiger : ist nicht alles gar so wichtig; gelassener : ist nicht alles gar so wichtig, ausser dem gar wichtigen. und das ist dann auch grad wieder alles, grad jetzt. (und wie ich mich über heideggers ‚sein und zeit’, noch viel mehr über ‚vom ereignis – beiträge zur philosophie, aus dem nachlass veröffentlicht’ aufgeregt habe, tatsächlich aufgeregt, weil ein lieber freund das gut fand, ich aber diesen abkupferungsselbstzumschöpferdererkenntnismachenden wunderpfupf martin heidegger so gar nicht ästimieren konnte, und das aus vielen anderen gründen, als da in der heideggerdiskussion, die ich auch für ein ehre unfruchtbares (welche frucht?) gedenke halte, herumschwirren, das erzähl ich vielleicht dann so in den neunziger jahren, falls mir das nochmals einfällt.)

[36] zack! ist mensch in der pubertät, der kopf vergräbt sich zwischen den beinen : alles sieht ganz anders aus als je zuvor : back to square one! ‚trouble is my middlename’ : so schnell will sich kein selbstbewusstsein in mir einhausen : ist alles wirr. hormone sind die körpereigenen drogen der pubertät – und trotzdem ists ein fremder trip : das hat man sich ja gar nicht so ausgedacht.

[37] ezra pound „motz el son“, deutsch: „wort und weise“ (zuerst bei schifferli 1957 erschienen, dank dafür) : auch das hab ich noch nicht jetzt gelesen, aber bald. und: „how to read“ : auch ein gutes buch für leser – aber ich hatte da ja noch die fantasie, schriftsteller zu werden : also hab ichs ‚zwi’ gelesen : read write ist allunddaseine.

[38] grimm! die erste fassung ohne pädagogische reinigung : da spritzte das blut : da wurde umgebracht : ganz ‚freud’ig! ‚du liebst mich nicht? zack, weg!’ (die böse stiefmutter? hätte man da nie sein mögen.)

[39] „ring ring goes the bell“ chuck berry (das dann einen späten nachfolger mit alice coopers „schools out forever“ hatte) : alles auf der basis ‚non pro scola pro vita discimus’ : welches leben denn jetzt?

[40] interessiert ja nicht sehr : aber das ist die erste single, die ich mir gekauft habe. bald hatte ich dann auch einen plattenspieler, und musste die scheibe nicht mehr auf dem plattenspieler der eltern abspielen. die erste LP war von den kinks „a well respected man“, eher brav. – aber : jetzt hau ich ab vom veteranentreffen.

[41] ganz candidich : vor candidelesen : simplizissimus von grimmelshausen ist auch ein barocker text, der den 30 jährigen krieg auf candide art, ganz reflektiert unter schock, dem jungen leser in die knochen haut : seelentatoos : das wird auf meinen knochen auch als bildgeschichte seinen niederschlag gefunden haben : lest meinen kadaver, wenn ich mal tot bin : schicht um schicht, lage um lage, blatt um blatt (und das ist jetzt jean paul, mit seinem „giannozzo“, mit seiner rede christi an die weltenbürger) : wer ganz fest und sehr erschrecken will ab den menschen, der darf, neben weltanschauen (alltag) und zeitungslesen auch bücher konsultieren. ist alles noch viel schrecklicher, als ich es mir damals ausgedacht habe. cioran ist auch ein schwergeschockter, der dann auf dem schock weitergeritten ist, bis er keinen horizont mehr sah in seinem dunklen zimmer und der parisernacht. und zum fenster hinausgegumpt : von paris nach paris, von ihm zu seinem text, zu sich, wer weiss. bumm ende. ("Die Nächte, in denen wir geschlafen haben, sind, als wären sie nie gewesen. In unserem Gedächtnis dauern einzig jene, in denen wir kein Auge geschlossen haben : Nacht heisst schlaflose Nacht“. cioran) (einschub zum fensterpflastersuizid : der expressionist melchior vischer hats in ‚sekunde durch hirn’ durcherlebt, mindestens versucht: und da sind die deutschen expressionisten doch härter im beschreiben als die dadaisten, denen die sprache und der sinn abhanden kommt, vischer ist verloren, sehr, dem leben nicht grad angehörig, die sprache hat er aber nicht verloren, mit verworren klarem (wie viel mut oder wasauchimmer braucht es, noch zu schreiben, angesichts) schrei. (und die dadaisten muss man da nicht reinziehen : die haben sich nicht verzweifelt geschreit, die haben sich doch erfolgreich freigeschreit von der sprache, der wilhelminischen.) und ehrenstein, albert : der, der : ‚selbstmord eines katers’ und eben ‚briefe an gott’ (und alles andere auch von ihm : ist nicht viel, leider.)

[42] es gibt tatsächlich auch die variante ‚kein fünfer und kein weggli’ : das haben mir die lehrer auch beigebracht damals : mit genau der methode, gegen die ich angetreten bin : ‚autorität’ – und das heisst nur, auf der seite der dassagenhabenden zu sein. was lehrer aller konvenienz wohl immer wieder unterschätzen, ist, dass einige der schüler aus strafen ihre schlüsse ziehen und gewiefter werden. dass kann dann vieles heissen : ich zum beispiel, da ich mein nächstes bin und mich zu kennen bitz vermeine, hab mich konsequenz für ‚von nix kommt nix’ entschieden. generationsgenossen haben durchaus die option rechtsschwenkum wahrgenommen und sind heute bankenmanagerbonibezüger. dass es da nicht um finanziellen wohlstand, sondern eher um (jetzt weiss ich nicht meh was sagen : irgendwie sind das ethische entscheide, und da sind wohl die entscheidungsgrundlagen different.

[43] falls ich es noch nicht erwähnt habe : jede aussage ist subjektiv, auch die sogenannt objektiven (die auf ein system referieren halt). aber das ist so klar, dass es nur manchmal vergessen und ganz dunkel wird.

[44] da war ich schon siebzehn (und verwickelt in gedichteschreiben und -lesen und underground magazines lesen und musikhören) und hab von sigmund freud keine hilfe bekommen („der witz und seine beziehung zum unbewussten“ fand ich nur beschränkt hilfreich, witzig schon gar nicht, „die traumdeutung“ las ich auch erst später), obwohl ich hilfe allerorts suchte. die „edition suhrkamp“ hat damals viele ‚neue’ texte publiziert (auch wenn sie mit nummer eins : brecht „das leben des galileo galei“ nicht grad ein highlight publizierten), viele knappanerkannte veröffentlicht. roland barthes etc.

[45] nicht sofort und blitzartig : aber doch langsam als alternativdenken zum vorgegebenen ist mir das ins herz geflossen : eher als strohhalm und not als in sudden enlightment. (und übrigens : maharishi yogi, der gründer der transzendentalen meditation, guru der beatles, und wie man liest auch von den beach boys, clint eastwood und david lynch, ist 91 jährig gestorben. (Tages Anzeiger 080207). das nur ein erstes highlight zur erleuchtung : die kommt später noch, aber ohne guru, auch ohne fliegen. (warum nur wohl dachten die anhänger des gurus, dass man mit hüpffliegenmeditation die welt friedlichen könnte : das sind die wunder, die maharashhaschgugi zuwege brachte : das war schon in seinem seelisberger dasein, kommuniziert durch insiderquellen, eher eine abwegige turnübung. selbst wer naiv und verhascht war, hat voltaire mehr vertraut als maharishiguru. da waren die beatles schon weg vom fenster: nicht mal esoterischerweise war das noch lustig : das war, als hätte buster keaton ein ufo erfunden und wär damit durchs death valley gehüpft.)) sudden enlightment ist verführerisch schön als idee : auch unerforschlich jenseits des dabeiseins. erfahrungen sollen nicht unterschätzt werden : mythologien, die zu auctoritas (er ist erleuchtet, ich noch nicht) führen, sind machtverdächtig und suspekt : ja wenn du schon erleuchtet bist, schön, and what does that mean to me : that i’m inferior? : die machtspiele (so hiess das damals : ‚power games’ : waren zwar höchst verschrien,) fanden aber gerade auf dieser ebene statt : i’m tarzan (enlightened!) you jane (enlightened?).

[46] jules vallès hat in einer trilogie („l’enfant“, „le bachelier“, „l’insurgé“) seine biographie bis und mit dem aufstand der commune geschrieben : und das in einer zunehmend aufmüpfigen sprache, auch literarisch neu erfunden. die commune (1871) ist wohl wieder mal eine sehr französische revolution (und sie scheinen revolten zu mögen, aber das fertigdenken nicht so ganz – oder auch, es gibt immer auch genügend franzosen, die gerne einen monarchenpapa haben – es ist mir doch eher ein rätsel) : aber eine eindrückliche revolte (courbet, der maler der ersten vagina, des ersten beavershots, wurde als rädelsführer des sturzes der nun ja wirklich hässlichen und menschenvertubeligen vendome-säule zu unglaublichen geldstrafen plus gefängnis verurteilt, und ist dann schlauerweise ins exil gegangen, in die schweiz : das war doch eine kunst, die respekt verdient (courbet trat mit anderen künstlern (daumier, corot, manet, millet : man müsste alle kennen, alle nennen : spricht sehr für sie) am 16. april 1871 als gemeinschaft (die sich am 14. april gebildet hatte) der commune bei. am 12.april beschliesst die commune, die ‚menschenverachtende’ vendômesäule, die die sieger feiert und die besiegten der französischen macht verhöhnt und unter napoleon errichtet wurde, abzubrechen. „ce monument de barbarie, un symbole de force brute et de la fausse gloire, une affirmation du militarisme, une negation du droit international, une insulte permanente des vainqueurs aux vaincus, un attentat perpétuel à l’un des trois grand principes de la république française, la fraternité“ : so stand es als begründung im beschluss. es ist schön, wie die franzosen nicht einfach sagen „das teil sieht scheisse aus und ist ein symbol der unterdrückung“, sondern das blumig und vielwörternd beschreiben : es wurde einfach demokratisch aufgeschrieben, was so den einzelnen sitzungsteilnehmern eingefallen ist. am 16.mai fiel die säule. und am 30.mai 1873, zwei jahre später beschliesst die regierung macmahon, die sieger über die commune, die säule wieder aufzubauen, die kosten (323 091 francs – eine riesensumme) sollte courbet bezahlen : mit dem verkauf seiner bilder. courbet ist 1871, nachdem er zu 6 monaten gefängnis und 500 francs busse verurteilt wurde, in die schweiz exiliert und starb da 1877. jetzt steht das hässliche teil wieder : aber in dem quartier wohnen die reichen und die sieger : da sind auch die teuren läden wie cartier und alle anderen de luxe produzenten und die teuren hotels : der platz ist aber trotzdem schön, wenn man die säule wegdenkt.

schon etwas frech vom staat : erst stellt ein mehr oder weniger selbsternannter kaiser selbstverherrlichend das zeux auf, das als kunst gelten soll, dann reisst das volk mit kunst- und geschichtssinn das zeux weg und dann soll ein künstler, der wirklich gute arbeit macht, die wiedererrichtung des drecks noch bezahlen : das ist nicht nur paradox, das ist zynisch) : man kann sich das herz mit utopien füllen und mitleiden : leider wird man dann auch gleich mitumgebracht oder muss ins exil. und das hab ich dann, erst 2006, in paris gelesen, wo die polizei in kampfmontur mit riesenaufgebot um einige wenige schüler herum das quartier absperrten, nur weil die durch megaphone bessere löhne für die lehrer und bessere ausbildung generell forderten. sarkozy und segolène royal haben auch schon machtlustmolchig von plakaten gelächelt. und da gibt’s leute, die sich 68’ zurücksehnen, weil da noch in allen kneipen diskutiert wurde! ist alles viel desolater heute in den banlieus = also ein lustgewinn für alle linken! „wir haben es schon immer gesagt!“ eben ja.

[47] wer unter einen doch nicht allgemeinverständlichen eintrag dann noch setzt „ich verstehe mich“ : der ist an einem ort, da tanzen die buchstaben mit den wörtern, die wörter mit dem hirni, das hirni mit der seele und alles zusammen mit dem körper, und das alles zusammen tanzt, und ganz viele fragen nach gott und der welt werden hinfällig. das ist schön zu lesen – von ihm les ich gerne immer wieder alles. wissenschaftler sind selten so hellsichtig im leben : er ist es, ganz feinstoffig wahrnehmend. (dass sein körper ihm mit einem strich durch alle erotischen erlebnisse das reale leben versaut hat, auch das ist zu bedauern. ich trau ihm zu, dass er auch da schön gewesen wär (und mit schön mein ich : ein schöner mensch, kein scheiss) aber eben : da wissen wir wenig und sind ganz froh, wenn wir uns selbst noch verstehen, grad mit ihm : von ihm lass ich mir gerne über die schulter ins herz sehen).

[48] beaudelaire : „die blumen des bösen“ : das war ja schon bekannt – aber gleich auch durch den titel wieder erledigt : wie entstehen diese feindbilder des künstlers : und wie nährt sich die lesegemeinde trotzdem an diesen gedichten : ambivalenz und lebensentwurf : vieles bleibt dunkel im dunkeln : und munkelt. immerhin : die keller sind voll von gespenstern und spuktieren : freud, sigmund macht die türe noch weiter auf : die erde ist von gespenstern erfüllt. und dann, in den 70ern, ist jeder sein eigener analytiker und vor allem der anderen : ein hässliches mittel, alles zu pathologisieren : selber ist man, scheint es, immmer einen schritt weiter : richtung abgrund wohl. (alter ddr witz : „wir stehen alle vor dem abgrund, aber wir sind einen schritt weiter!“)

[49] das nibelungenlied ist mir halt früher eingelesen worden als die odyssee oder der beowulf : aber die erzählkraft des nibelungenlieds ist mir in verschiedenen schubladen präsent : von zwergen und riesen, von männlein, die mit fraulein vögeln, von eifersucht, die köpfe abhaut, von reichtum, in schätzen unterwasser : alle soaps von heut sind schwächlich.

[50] 2008 bin ich jetzt erstmals in irland : auch in ennistimen, wo dylan thomas gelebt hat. ennistimen ist nicht unbedingt ein erfreuliches dorf, unterscheidet sich aber für den schnellreisenden wenig von anderen irischen dörfern. einzige sehnswürdigkeit laut angaben des örtlichen geldmachertouristenvereins : ein wasserfall von ca 5 meter fallhöhe, der nach einer düsteren mehrbogigen steinbrücke runterfällt und nach starken regenfällen eindrücklich sein soll. jetzt plätscherts und stinkts vor sich hin, das fällchen. wenn man die stimmung vieler dieser irischen orte hardcore erleben will, kann man nach ennistimon gehen, sich in einem B&B einquartieren (falls es eins hat, sonst im hostel, dito), ‚under the milkwood’ lesen (nillywilly lässt grüssen) am abend ins pub gehen und sich betrinken. auch das gehört zu den wundern der daseinsheit : dylan thomas hat wunderbar geschrieben : gedichte, die wohl keiner zu übersetzen weiss, ohne selbst auf einem seltsamen planeten zu leben : dort wo es dictionnaire gibt : „dylan thomas - ...“ (fill in to what you speak : das sind schönste kommunikationsschwierigkeiten : wie kann poesie : sage von mensch zu mensch, was jetzt nun? kommunizierende röhren? – irgendwie vermittelt werden? 

Aus „Our Eunuch Dreams“

„IV

This is the world : the lying likeness of

Our strips of stuff that tatter as we move

Loving and beiing loth;

The dream that kicks the buried from their sack

And lets their trash be honoured as the quick.

This is the world. have faith.

For we sahall be a shouter liek the cock,

Blowing the old dead back; our shots shall smack

The image from the plates;

And we shall be fit fellows for a life,

And who remain shall flower as they love,

Praise to our faring hearts.“

warum liest keiner mehr thomas dylan : da ist viel wundergesang drin, und mitgesang.

[51] „selbstmord eines katers“, und unbedingt die „briefe an gott“ : „Lieber Gott, es freut mich, dass es Dir gut geht, dass du herrlich und in Freuden in Frankreich lebst, wohin du allerdings leider mich mitzunehmen vergassest.“ wer seine briefe so beginnt und so endet „Erdgott! hast du nichts für die Erde, für mich übrig, bist du erkrankt oder schwach, aussätzig, hilflos, ein Abschaum der Gottheit?“, dem wünsch ich ein schönes langes leben. nur kommt der wunsch dann wohl etwas zu spät. mit einigen expressionisten hätte ich gerne geredet : ehrenstein hätte ich gerne umarmt.

[52] das ist auch nur wieder eine auswahl. georg trakl gehört unbedingt dazu. und viele wurden erst in den späten 60er und frühen 70er jahren ‚wiederentdeckt’ : so auch robert walser, ödön von horvath (der mittlerweile wieder etwas vergessen wurde), karl kraus (und expressionisten waren sie ja auch nicht, aber zeitparallel (entschuldigung : ich mag auch nicht zeitexpressionistisch mit allen zeitgenossen sein). und einen nachteil hatten sie alle : sie waren schon tot. ihre zeit war auch doppelt vernichtet, denn ‚entartete kunst’ waren sie auch, der bücherverbrennung der nazis papier ins feuer.

[53] und der schweizer lyrik gings auch nicht viel besser : zweidrei literaturmagazine wie „hortulus“ und der „clou“ versuchten, da stimme zu geben. eine gewisse tristesse, so im nachhinein und im vague damalsempfinden ist nicht zu übersehen : die gedichte sind sehr ‚ich bin und empfinde und es gibt keinen gott’ niztsche von ferne als echo der existenzialisten aber dumpf : viel regen, düstere strassen. die graphik, das bildwesen so annabelle (francophonie war angesagt : paris die hauptstadt von undefiniertem super (sprich süpèr) intelligent) zeitgemäss : es gibt einen zeittypischen strich der zeichnung : elegant but boring. 1962 entstand auch der film von chris marker ( geboren 1921 als christoph fançois bouche-villeneuve) „le joli mai“ (erschienen 1963) : der ist auf der höhe der zeit : weil er die menschen sprechen lässt, ohne die aussagen doktrinär zu interpretieren : die exegese, wenn es denn eine  gibt (gibt es sehr) liegt in der attitude der begegnung, der montage : es ist ein versuch, alltag in den diskurs des alltags einzuführen (das mag redundant klingen, ist es aber nicht : der alltag hat keine sprache, der diskurs hat eine andere sprache als der alltag : die beiden diskurse – den sprachlosen und den sprachverhafteten – zusammenzubringen und zusammen erscheinen zu lassn : das hat dieser film doch geschafft. (ich möcht sagen, dass montaigne, mercier, leautaud, fargue mitgeschrieben haben – aber chris marker habe ich nicht befragt. ich bin sicher, dass seine quellen mehr und anders wären).

[54] möglich ist natürlich auch, dass ich die falschen radiosender gehört habe und in die falschen buchhandlungen gegangen bin. die piratensender waren nicht immer eine zuverlässige quelle : oft konnte ich sie nicht empfangen, weil sie ‚gestört’ waren. ich denke aber, dass mein ausgiebiges und regelmässiges sitzen im cafe odeon eine wichtige informationsquelle war. ins cafe select, vormals hort des französischen existentialisten-grooves, wurden zeitweise langhaarige nicht mehr zugelassen. im odeon wurden auch HOTCHA! und andere europäische underground magazines regelmässig angeboten : hauptinformationsquelle für alle leser, hörer, neugierige.

[55] oder eben wieder : ich habs nicht bemerkt : zwischen schule und aufstand fehlt eine vermittlungsstelle, die sich ausgibig mit wissenstransfer beschäftigt. die von der kunstgewerbeschule zürich abgespaltene F+F, die sich dann einer kulturvermittlung über die gesellschaftlich akzeptierten grenzen hinweg widmete, wurde erst 1971 gegründet : da bin ich dann gleich hin. und das heisst auch, dass ich marcel duchamp erst dann kennengelernt habe, durch serge stauffer, der viel lebendiger war als der verstorbene duchamp und der mir duchamps „es sterben immer die anderen“ aufs deutlichste klargemacht hat, 1989, leider. aber auch : man kann über schwellen hin grüssen, so oder anders. 

[56] doch, codein ist angenehm : und man sollte jedem schmerzeleidenden freies recht und zugang auf opiate geben. in paraphrase zu ehrenstein (briefe an gott) „lieber gott, du magst ja grad wieder in frankreich hocken und das leben geniessen. ich bin grad hier auf deiner erde, abkömmling von adam und eva und grad allen affen, deren abkunft du dem darwin auch nicht so klar erklärt hast. bist du eigentlich endlos in den ferien und verprasst deine ahv in billigländern? wie auch immer, ich mag dich nicht und ich hoffe, dass wir uns nicht mehr begegnen. aber die opiate, die du auch auf die erde gepflanzt hast, wenn ich mich recht erinnere, die taugen etwas. warum lässt du die menschen das einzig gscheite, was du erfunden hast, jetzt wieder verbieten? bist du wohlauf? liest du noch jeden tag die zeitung? oder bist du gaga? grützkotz, gar nicht dein mensch.“ (name der redaktion bekannt.)

[57] die chronologie der ereignisse turbuliert und quiriliert da ein bisschen : entspricht aber meiner damaligen weltwahrnehmung ebenso wie meiner heutigen : was war, ist präsens, wenns auftaucht (also auch die gelesenen verstorbenen autoren damals wie meine rückschau auf meine lektüre). „time is on my side“ : mindestens solang ich lebe.

[58] jerry rubin : „do it!“ ist nicht mehr weit : das selbstbewusstsein, das durch liebe und ethik ein besseres leben möglich sein werde, war epidemisch. nicht genug, wie sich ergeben hat. der liebe gott will nicht ohne die prüfungen des bösen leben etc. maya hat auch seine tücken. eigentlich ist die ganze welt eine schräge erfindung, und selbst der ertüftler hat sich aus dem staub gemacht : und:!: man bekommts nicht mal unter liebeskontrolle! von ost bis west : alle philosophen vielgesprächig ratlos.

[59] im HOTCHA! gabs dann glaubs auch mal ein beigelegtes kirchenaustrittsformular (oder wars ein militäraustrittsformular?), aber das war nach meinem akuten austritt und urban erzählt das dann besser. militärausritt kommt dann erst 1969/70 : altersgemäss. („fucknam“ von tuli kupferberg war da, (toll: überhaupt ist tuli bis heute (auf youtube) ein schöner mensch : hab ich sein „1001 ways to live without working“ schon erwähnt : # 1 -1001 : „die/ someone else die / find a million dollar in a toilet bowl you the only one dare to fish it out“ etc ) : tuli und scheerbart hätten sich vielleicht gut verstanden. egal. aber ich mag menschen über die jahrhunderte hinweg zusammenbringen : auf meinem planeten ist das kein problem. da sitzen alle neben allen (teddy bear syndrome, ja).)

[60] trotz : klar trötzliverhalten : aber eine institution weniger am hals fand ich schon mal per se gut. und pazifismus war auch gut. leute erschiessen „with god on my side“ fand ich nicht toll und finds auch heute noch nicht. und institutionen sind auch immer unter „erklärungsnotstand“ : statuten aufdecken : oft halt auch : lieber nicht.

[61] meine eltern, nie kirchlich oder religiös interessiert, nahmen meinen austritt aus der kirche ganz pragmatisch auf : sie traten auch aus der kirche aus „weil wir wollten unseren kindern keine scherereien bescheren, die sie als atheisten wohl sonst gehabt hätten – und sie sollen lernen, was so der konsens ins sachen glauben ist.“ das ist auch eine wunderliche haltung, aber religiös indoktriniert wurde ich nie (zu weihnacht hat der vater die ‚weihnachtsgeschichte’ vorgelesen : das war reasonably short, auch immer bitz dasselbe und hat kontextuell keinen sinn gemacht. aber als es fertig war, durften wir gschänkli aufmachen : das war ein guter spannungsaufbau. vielleicht hätt ich mir gewünscht, dass meine atheistischen eltern mir etwas mehr von den aufklärern beigebracht hätten – aber das haben sie wohl auf ihre art gemacht. mein vater war erstaunlich bibelfest, weil er sich immer wieder mal über andere bibelfeste aufgeregt hat, und diese mit der bibel widerlegen konnte : widersprüche in geschichtsschreibung waren ihm ein argument, nicht an einen text zu glauben. aber metaebene war ihm noch nicht so ganz bekannt. dekonstruktivismus hat er aber oft, ganz ohne metaebene, schlicht gelebt. das hat mir auch neue vorpubertäre erkenntnisse gebracht : hat er mich doch in jeden marx-brothers-film mitgeschleppt (ab 14 jahren) und den minderjährigen durch die alterskontrolle geschleust : all groucho marx („even the seal wears a badge“) und zu hause hat er groucho imitiert, was ihm leicht fiel, weil er ihm nicht nur charakterlich, sondern auch visuell ein bitz glich. naja : „einem verein, der mich als mitglied aufnimmt, würde ich nie beitreten“. (und noch eine klammer : da fiel mir, als etwa 8-jährigem auf, dass er bitz angst hatte vor dem auffliegen seines scams : im karl may film „der schatz im silbersee“, erst ab 12 jahren, durfte ich in der pause nicht aufs wc, weil er schiss hatte, dass jemand merkt, dass ich viel zu jung war. ihm wärs ja wurscht gewesen, wenn er rausgeflogen wär, aber meine enttäuschung wollte er nicht. in etwa so hat sich seine liebe zu mir bemerkbar gemacht, was ich auch erst nach meiner neusolidarität mit ihm, nämlich als wir bei der heirat meiner schwester, da war ich 21, nochmals vor die kirche treten mussten : er auf eine zigarette, ich auf eine special, und er konspirativ parallel seins, ich meins geraucht haben, kapiert habe. und so habe ich die parentalen metaebenen vielleicht jetzt auch erledigt, mindestens was den vater betrifft. aber mindestens hätte ich ohne diese erlebnisse mit den marx-brothers „Lucy in the Sky with Diamonds“ nicht so wohlgemut überstanden und hätte nie radfahren à la hoffmann gelernt. aber jetzt bin ich schon wieder einzwei jahre vorgehüpft : dazwischen passiert ja immer etwas : dazwischen oder inzwischen (erzähltechnischer rückgriff).

[62] nicht pandemisch, auch nicht pandämonisch – halt sehr divers in amerika und europa. wie das die trikont-länder, sekundär durch solidarität vermittelt, überhaupt wahrgenommen haben : das war in den 60ern und 70ern für die meisten protestierenden wohl nicht abzuschätzen. ich denke, dass das weitgehend auf gegenseitigem miss- respektive nichtverständnis beruhte und die trikontmenschen nicht so sehr beeinflusst hat wie die erstkontinentler : das ist so wiedergutmachung durch die nachfolgegeneration, leider mit schlechtem gewissen belastet – als ob es die erbschuld gäbe. einsicht in zustände und kompetenz, sie allenfalls zu einem besseren zu verändern, kann kaum von selbstberuhigungsversuchen kommen. jetzt gleich wieder mal etwas lesen : grimmelshausen : „simplizissimus“ : da wird der krieg zum schrecken ohne ende, überleben zum zufall : und das vertrauen in ideologien verkommt zu albträumen : alles gebleichte schädel : dass die grinsen sollen, ist nur noch unterstellung : sie sind alle tot und bleich und gar nicht mehr von einer welt : toter als die schlachtfelder kann nichts mehr sein. wenn fünftausend leichen nach einer schlacht auf einem feld liegen : ja, dann. es sind menschen. da wird dann endlich das rote kreuz gegründet (was alles in schlachthäusern mit tieren geschieht, in der aufzucht davor : das ist ein anderes thema, scheint es. aber es ist auch gruselig : und es gehört auch zum thema „die welt ist ein schlachthaus“, das im barock gerne abgehandelt wurde – aber doch schon beachtenswert ist : wenn man erstmal den frauen eine seele zugestehen musste, so männlicherseits, wie steht es dann mit den tieren : das ist alles im 20.jahrhundert tiefstes mittelalter : und zu denken, dass sich irgendetwas zu einem besseren gewendet habe, ist bitz candide.) im 21. jahrhundert gibt es tatsächlich instanz, die sich um das (wohl)ergehen der tiere kümmert. schon mal was von buddhismus gehört?

(der metazynische witz dazu : eine zahnpasta/zahnbürste-produktionslinie von migros heisst „candida“. so schön lächeln kann nur, wer der ganzen produktionslinie vertraut. migros ist eine genossenschaft, gegründet 1925 von gottlieb duttweiler zum wohle der allgemeinheit und verkauft keinen alkohol und keine zigaretten. grad jetzt 2008 wird chüngelfleisch aus ungarn nicht mehr angeboten, weil tierschützer bilder von den haltungsbedingungen auf dem internet publiziert haben : es ist ja scheints, da wieder ‚der mensch ist die krönung der evolution’-ideen rumschwurbeln, nicht angemessen, die tierhaltungsbedingungen mit KZs zu vergleichen. ich als hase, empfände es aber wohl so.)

[63] lesen kann auch einsam machen : man weiss dann immer auch gleich schon um das ‚darum’, das ‚deshalb nicht’. eine individuelle ethik entgegen oder parallel eher zu den vorhandenen bewegungen zu entwickeln ist nicht ganz so solidarisch getragen – weder gab es eine taugliche „schule der atheisten“ (arno schmidt), noch wären solche anleitungen sinnvoll gewesen. solidarität ist von eigeninteressen getragen (dazu gibt’s immerhin max stirners „der einzige und sein eigentum“, das in seiner trötzligen verschrobenheit schon wieder lustig ist) oder von ideologien getragen : und dann begibt man sich in eine – vielleicht nicht grad ‚glaubensgemeinschaft’ – aber in eine überzeugungsgemeinschaft. das heisst : ganz stur begibt man sich mit seiner seele, und das ist das einzige, was einem bleibt, auf seinen eigenen planeten. das ist aber wieder vorgegriffen : das sind late sixties und die frühen siebzigerjahre. nach woodstock und bumm ende. 

[64] und gar nicht zu vergessen: die soaps gab es halt in anderer form doch schon auch : war in dem jahr nicht auch „doktor schiwago“, die revolutionsschmonzette von boris pasternak (1917! : kommunismus!) ein kinorenner (blockbuster!) und in allen hitparaden neben beatles, rolling stones, procol harum („ligther shade of white“ („whiter shade of light“ wär auch ganz schön) : oui : ich vergess die titel schon, bring sie auch durcheinander – und bitz egal ist es auch : werd ich halt songwriter) mit titelsong vertreten? nein : war 1965! aber trotzdem : interessantes : hmmm.(?)

[65] ernesto ‚che’ gueverao wurde erschossen, nach gefangennahme, wie man annimmt. der popstar der revolution. das tagebuch habe ich gelesen : berührend durch die alltäglichkeit. revolutionärer elan kam da nicht. aber ich hab mir damals eine baskenmütze gekauft, doof wie jeder postpubertärer : ich verzeih mir : mann, bin ich blöd! ich hab sein posterporträt an meine zimmerwand gemalt : auch daran wurde meinen eltern bewusst, dass ich künstlerisch begabt bin und bitz konfus. wenn sie mich direkt gefragt hätten mit einer gscheiten frage, hätte ichs wohl gesagt : „ich weiss alles! aber ich hab keine ahnung wie!“

[66] durchaus mittlerweile kluge, oder immerhin witzige menschen sind dem veitstanz marx erlegen und haben „das kapital“ empfohlen. ich hab teile davon mit wenig gewinn, aber mit respekt gelesen. wenn dann marx so über geschichte geschrieben hat, als zeitgenosse (18.brumaire), das fand ich besser. vielleicht misstrau ich jeder theorie, die nicht grad ich erpfurzt habe. die commune in paris beeindruckt mich nach wie vor. paris, als zentrum der aufklärung und des gruseligen kopfabs und der permanenten revolte find ich seltsam : eine stadt der multiplen disparat- und partiellen klarheit (und da hörts nicht auf mit autoren : voltaire etc! ich hör grad auf, weil alle sie kennen : aber die zentralistische macht hat auch die denker angezogen und die pluridenkgemeinschaft nicht zerstört : das ist seltsam : das ungethier der macht nährt seine blutsauger (so pathetisch geht’s dort heute noch ab) : kein mensch ausser louis sebastian mercier, michel foucault, roland barthes und alle bewohner von paris wissen bescheid über das, was eigentlich in der welt passiert. (die grossen tageszeitungen berichten im ersten bund über paris, dann über frankreich in bezug auf paris, und dann noch ein wenig über restwelt in bezug auf paris. es gibt viele weisse flecken auf der landkarte der zeitungsleser.)

[67] nicht nur : die anarchischen deutschen waren, ganz kurz (kommune I & II), manchmal auch witzig – aber der fritz teufel, der vor gericht auf die aufforderung „angeklagter, erheben sie sich“ geantwortet hat „ wenn es der wahrheitsfindung dient“ hat schon präzisiert, was sonst absurdes theater genannt wird, aber auch machtgebrauch ist. das mag heute läppisch klingen, war damals aber wichtig, als statement (auch, weil es in den medien breitgeschlagen wurde).

[68] „oh lord why don’t you buy me a mercedes benz“ - janis joplin.

ich, genialerweise sprachgewaltig wie einer, der sagen konnte ‚am ahnfang’ (das ahnen fangen : welch grössenempfang, von den ahnen gar nicht zu sprechen, weil da gibt’s für den ahnfangenden keine : alles ab origine sui : = vollpubertät : da wo die wichtigsten erfindungen gemacht werden in den hirnis – später wird das dann auch am sozialkompetenzometer gemessen : alles pfupf! : ‚got it!’ ‚there is something happening  and you don’t no what it is, do you, mister jones’), hab da als siebzehnjähriger auf allen schlittschuhen des geistes und ungeistes dahinschlitternder schlicht empfangen und wortinshirnübersetzt ‚oh lord why don’t you buy me a mercy dispense’ : und hab gedacht, dass das eine anspielung auf gott und seine ablassverkaufenden priester aller zeiten sei. wars aber nicht, als ich dann endlich mal genauer hingehört hab. mercedes benz ist auch lustig, aber nicht so sehr wie ablasshandel in zwinglizüri und aufstand : REVOLUTION! in zwinglizüri ! ! !

item. ich hab den witz schon verstanden, den von der janis, gäll. (und mit southern comfort hab ich bitz aussprache gelernt : aber die worte slurren (= worte sumpfschlittschüelenen) darf man dann doch nicht so fest, sonst ist man nicht mehr middleupperwhitesophisticateddropouttunedinprankstercool. aber schon ein bitz southerncomforteln, doch : so viel sprachdresscodes gibt es : da kann man nur noch schweigen) oh, jeh : ich wollt ja nur sagen : ein freitag bin ich nicht : and time is not necessarely on my side : but we are working on it (i actually will deny that there is time at all : auch wenn ich nicht schwindelfrei bin : but here is schrödingers cat purring in my lap. prove enough, gäll.)

pranksters we are, some, not all of us : but :

sincerely yours

monday through thursday : friday. friday, saturday, sunday : holiday ( = friday missing).

ps. : friday is my name. (no picture availible at the moment.)

und die fugs: „monday nothing“ etc : ist wohl ein kommentar von tuli kupferberg, dem weltgeist, der grad mal permanentpause einlegt, gewidmet.

[69] november 1961 publiziert die zeitschrift „DU“, herausgegeben von manuel gasser und hugo lötscher eine nummer zu „Exzentriker“ : die hab ich auf dem flohmarkt gefunden : das ist eine fundgrube und ein ‚manifest’ für aberratisches verhalten, schreiben, denken, dasein : so sehr unschweizerisch und wahn.sinnig aktuell, almost premature, dass man gar nicht genug staunen kann, wenn mann das so 1969 findet : heinrich füssli, ein ins exil verbannter züri maler mit lustigsten gelüsten (noch heute würden seine pervy-zeichnungen aus dem helmhaus verbannt, wär er gegenwärtig und nicht ab- und verdankt), john martin, der heute mit seinen katastrophenbildern 9/11 topped, laurence sterne (thanx weirdness!) und edward lear : und viele mehr : sie sind alle da! eine community of weirdoes, die aber sehrsehr normal erscheinen, ganz halt wie man sich fühlt : und das führt zu edith sitwells buch :“english eccentrics“ : das noch mehr derselben schönheiten birgt (das hab ich mir dann umgehend als penguin TB gekauft). aber zurück zu „DU“ : einerseits : wie kann man diesen herausgebern danken, andrerseits : wie war das in der schweiz der „biedermann und brandstifter“ (bitz harmlos schon, in den 60ern, aber wohl schon feurig, so damals – nix gegen frisch : er hat bundesrat furgler in den 70er am tv schön gezeigt, wo denken und reden und schwafeln und macht halt hocken) und pluribund : was hatten die herausgeber im sinn? rätzel wohl : und das haben sie erreicht : FREAK SHOW kam in die schweiz : das bewusstsein, dass alles bitz strange ist – und je lauter die gnomen brällen „normal“ : naja – desto wunderlich wird alles.

[70] so also müsste ich jetzt aufhören – will ich aber nicht, weil ich soeben back to square one gekommen bin. oder beinahe : wieder gruppenkult : warum individuen nicht gemeinschaften kreiieren können, die nicht auf whatthefuck eingeschworen sind, ist wohl das problem aller sozialrevolutionären bewegungen : der ameisenhaufen macht als menschenhaufen keinen sinn. nicht mal das eigeninteresse führt zu schlauen lösungen (kapitalismus ist nach wie vor im freien flug : ganz wie der auf die DDR gemünzte witz : „wir stehen vor dem abgrund, aber wir sind ein schritt voraus“ (und was denn heisst schon kapitalismus : potenzial an arbeitskraft plus viel kreativer absturzsicherung – viel mehr ist da nicht zu holen : oder doch? (zu müde, daran zu denken, leider)) – da : michel de montaigne lesen : ist alles, aus der nierenstein- und dunklen perspektive als individuum ertragbar (und: er hatte seine wenigsten freunde : drum, genau drum : und : er hat geschrieben, als leser, kommentator. die funktion des kommentierenden lesenschreibens als überlebenshilfe und input für eine sozietät (falls es das geben sollte) ist : all das, was die lesenden dann denken als „schön! das habe ich mir auch schon nicht gedacht (aber empfunden)“ das sagt der kommentator. aber 68 mag ich nicht kommentieren. vielleicht kann man charles dickens lesen „bleakhouse“ : das erklärt zwar nicht 1968, aber meine stimmung. nur schon das wort ‚bleak’ : equals 68.

[71] „be there or be square“ : vereine und gruppierungen, auch wenn es die marxisten oder maoisten, anarchisten oder taoisten waren : dagegen war ich geimpft : zugehörigkeit ist nicht ideologisch : wenn zugehörig, dann aus liebe und verständnis, immer die individualität bewahrend (was nur heisst : gedankenfreiheit) : also solidarisch.

[72] „pomes penyeach“ (1927) : eine entdeckung : james joyce hat auch gedichte geschrieben, und gute! nur schon der titel „g’dichte rappenje“ (oder halt, für deutschländer „g’dichte pfennigje“ (mit euro wird’s bitz american „g’dichte centje“)) löst alle dichterei auf und kondensiert sie in neuer g’döchte. (pomes ist plural von kernobst : so schreien die obsthändler auf den märkten : dass joyce seine gedichte wie kernobst per peny verkaufte (peny gibt’s halt auch nicht : penny heisst das) und nicht per pound (ezra) : alles inside jokes : für ihn (und seine kenn ich nicht) und für mich (die kennich).

[73] „can you dig it!“ the crucial rhethoric question : häschs tscheggt? als code word : ausschluss/einschluss : alles brüder und schwestern. natürlich hab ich alles tscheggt. (dig-it-all wurde es in den 80ern : auch dann musste man alles digitalisieren, wenn man ‚in’ sein wollte. ich war etwas abergläubisch und hab drum computern misstraut, ganz nach ezra pounds devise : was man von hand schreibt gibt ein anderes produkt als wenn man mit schreibmaschine schreibt (er hat das glaubs in anderem kontext gesagt – t.s. elliot hat ihm „waste land“ als handschriftliches manuskript zum lektorieren gegeben und er hat es als typosktipt verlangt, weil die handschrift charmant über fehler hinweghuscht – also wollte er die ‚neutrale’ fassung (und dann hat er mächtig drin rumkorrigiert, gestrichen vor allem – liest man „waste land“, dann scheint es sich gelohnt zu haben : das ist ein schöner text : (hab zwar beim sfdrs mit computern gearbeitet) meinen ersten pc hab ich aber erst 1991 gekauft und bin seither recht froh : man kann das schon nutzen.

[74] thoreau hat auch das sehr verständige „civil disobedience“ (dt. über die pflicht zum ungehorsam gegen den staat) geschrieben – aber so ein wenig sehr transzendentialistisch war er schon auch : was aber zu guten, gewaltfreien vorschlägen führte : und gegen die sklaverei war er natürlich auch : und die gabs damals noch, ganz direkt und unverblümt. so hat man dann coca cola und alle anderen grosskonzerne, die im trikont ihre gewinne erwirtschaftet haben, halt auch als sklavenhalter verstanden, was nicht ganz abwegig ist. aber so bitz komisch sind thoreau, und seine nachfolger im 20. jahrhundert schon auch : in selbstgewählter askese, der verweigerung, die zu glück führen soll : und die nachfolgebewegungen in esoterischen bereichen waren dann auch etwas angehaucht von ungesunden abmagerungen.

[75] ich bin, anfangs 70er, auch aufs land, ins tessin, hab dann 3 monate auf der sihlpost gearbeitet und mit dem geld 9 monate weiterbildung auf dem land finanziert : beides sehr ergibige erfahrungen : die sihlpost : unter ähnlichgesinnten drop outs, die für ihren trip nach indien, afghanistan, you name it gespart haben und die festangestellten pöstler, die von einer anderen welt zu kommen schienen, dann, wichtig, die ‚fremdarbeiter’, viele spanier, die einen dritten, wichtigen standpunkt einnahmen : drop outs aus der wirtschaftlichen misere, irgendwie hin zu relativem wohlstand, durchaus nicht so klar definiert zu der zeit, auch weg von francodiktatur : grenzgänger über viele grenzen. das land dann nicht idyllisch, aber mit viel zeit zum im bärlauch sitzen, mit katzen rumstrolchen, bäume fällen, kräuter pflanzen : lernen, dass es jahreszeiten gibt und sehen, wie sie sich in der natur äussern : alles, was einem städter nicht so sehr auffällt, in der stadt. der wechsel zum land war mir städter allerdings ein starkes wundern und wissenwollen : wie heissen all diese pflanzen, käfer, existenzien und was tun sie? überraschung dann, als ich gemerkt habe, dass ein bauernjunge katzen und kater nicht voneinander unterscheiden konnte : als ich ihm gezeigt habe, dass kater hoden haben und katzen eine vagina, war er sehr erstaunt : er unterschied katzen von katern erst, wenn sie junge warfen. die naturverbundenheit der bauern (jetzt bin ich schon im hinterthurgau, wo ich auch mal ein jahr (mit unterbrüchen) in der natur lebte) bestand vor allem darin, dass sie wussten, wie man freiburger kühe aus frankreich ins hinterthurgau schmuggelte und versicherungssummen kassierte, indem man ohrnummern von tieren wechselte – wie genau das ging, ist mir auch nicht klar, aber es starben immer ‚billige’ tiere mit nummern von hochkarätigen milchkühen. das siebte buch moses, das so von zauberspruch bis zum naturheilrezept reicht (‚wenn die kuh nicht kalbern will, schlachte man eine schwarze katze und füttere sie mit feuersalamandersperma’ oder so ähnlich) (ich habs gelesen und gleich wieder vergessen, leider : sind schöne techniken für den alltag drin), haben diese bauern auch konsultiert, neben dem bmw reparierhandbuch : ist eine wunderliche gegend. soviel zum bauernnaturleben. und der käser nebenan feuerte seinen käseofen mit autopneus, obwohl er schon mehrmals dafür gebüsst wurde. egal. dafür war im winter der schnee schwarz um sein haus herum. ist alles folklore : ihn müsste man ins ballenberg transportieren, wenn er nicht gestorben wär. klein war er und fuhr mit seinem 50erjahre cadillac ins dorf : da es bergab ging, stellte er den motor immer erst auf der ebene unten ein (benzin sparen!) : so kam dann der cadillac geräuschlos den berg hinabgefahren, ohne dass man ihn hinter dem steuerrad gesehen hätte : the headless rider! (in der version von jad fair! : „there is no head were a head should be“). soviel zum land : von bevölkerungen von landstrichen, sei es stadt oder land, wimmelt es in vielen büchern (um endlich wieder mal bücher zu erwähnen) : stendhals „le rouge et le noir“, hans henny jahnns „fluss ohne ufer“ sind auch erzählungen vom geist, den man in die ländlichkeit fantasieren kann, wenn man denn will, auch jeremias gotthelf, grad alles von ihm : und überall wird klar : die ländlichkeit als idyll gibt’s nicht. es wollen alle in die stadt, als ob dort ein wunderwarzenschwein sitzen tät (wonder warthog : ein schönster comix von gilbert shelton(?).

[76] ‚chörnli-freaks : die mister natural shops : das war im diskurs zwischen andy warhols plastic und supergesund schon sehr ambivalent : einerseits der mondlandungsfortschritt mit kühlschränken, die funktionierten und andrerseits die zerstörung von nahrungsmitteln durch monokultur und käferbekämpfungschemie : ich hätte damals wohl beides zugleich haben wollen : es war doch gleichermassen spannend (also nicht grad die chemie, aber sonst so bitz palstic, vinyl, video). nur sandalen und kerzenlicht und back to wo die menschheit wohl nie war, oder wenn, dann sofort wegwollte, das war es nicht.

[77] viel komplizierter, wie alles : von hermann hesses „siddharta“ zum „tibetanischen totenbuch“ gabs viele wege : tim leary empfahl die seriöse tour durchs enlightment qua totenbuch, ken kesey war mit dem „acid cool aid acid test“ und den „greatfull dead“ unterwegs (die beatles, um nochmals zu konstatieren wie poppig (und grundsattdumm) sie waren, produzierten die „magical mystery tour“ 1967 : die hitparadenfähige version eines LSD trips (?) : „i’m the walrus“ : guguga-guguga-tchou). robert crumb ist allerdings hohe (comix)literatur – und heute genauso wie die ökologiebewegungen anerkannt als lebensnotwendige beigabe.

[78] „Earth House Hold“, fünfte auflage 1969, versammelt seine texte zu einem naturverhältnis, das wesentlich auf zen basiert und doch recht konkret darauf hinweist, was schiefläuft.

[79] ich sage damit nur, ich wiederhole mich, aber mir scheint es wichtig, da menschen immer noch auf werturteile anderer sich verlassen möchten : ich habe das damals oder auch heute so erlebt : ich beanspruche keine objektive urteilskraft : was ich sage, ist in meinem biotop gewachsen und ist nicht generell relevant. ich finde gary snyder durchaus für klarsichtig, ebenso wie william borroughs jr. : nur denke ich, dass die beiden wenig miteinander zu tun haben.

[80] da halt grad mal ein rück- und gegenwartsblick auf LSD und seine (ab)nutzungen (statt grad missbrauch zu sagen) : ein erlebnis von john wilcock :

             „Basel, March 22, 2008

            For the first time in  my long life, I was arrested, handcuffed and thrown into a jail cell today—all for trying to cover some dumb gathering called the World Psychedelic Forum. Seems that because I hadn’t registered in advance (not having known about it in advance), and the Germanic temperament being what it is, I was denied admission.

       Having invested $70 in a rail trip from Zurich, I was reluctant to leave until somebody explained what the forum was all about, but the snotty, blonde anorexic in charge of media (whose name tag appropriately identified her as Ms Rat) called the police to take me away.

        Before long a Laurel & Hardy-ish pair of  bullying clowns arrived, carted me outside and manacled my hands behind my back to the delight of excited observers watching from the forum’s upper windows.

      On arrival I had requested to see the organizer, Dieter Hagenbach, a former literary agent who turned out to be a smugly, self-important little twerp with a grey pony tail, and wearing a baggy oatmeal-colored suit. He was unsympathetic to my proposal and brusquely ordered my removal. Shades of Scientology—yet another closed cult that resorts to armed force to evade examination.

      From my brief stay inside the hall, all the time guarded by Ms. Rat and her posse (see Wait a Minute, April 3 at this website), I’d judge the psychedelic adherents to be of that familiarly pretentious type who feel they have found nirvana courtesy of the Prophet Dieter.

     My counter-cultural friends in Zurich had raved about a similar gathering , a couple of years ago, which celebrated LSD inventor Albert Hofman’s 100th birthday. But one can only assume that in the interim the group has been captivated by an upper middle-class elite who now thinks they’re the hippest of the hip--although most of them would have been regarded as irredeemably commonplace by Leary, and those of us who spent time with him 40 years ago.

     As I sat on a sofa to rest and survey the bourgeoisie, Ms Rat’s posse felt obliged to surround this dangerous  reporter as the media maven reiterated her plan to call the police. I sighed. “Go ahead”, I said, “but this matter could be solved so simply. It’s true I didn’t register in advance. But just let it go. Register me now, and allow me to cover your forum”. Ms Rat ignored my plea.

            The handcuffs bit painfully into my wrists but the ride to the stationhouse was brief. There I was hustled into an office where the bigger of the brain-dead goons fumbled with the handcuffs, pretending to his diminutive partner that he couldn’t open them. Stan Laurel ignored him in favor of entering details in the computer. Hardy gave an extra twist of the cuffs as though it was part of the script.

    The whole scenario, in fact, seemed like it had been practiced. These were not storm troopers, just semi-literate bozos playing procedure-perfect roles while clearly enjoying their ability to inflict (reasonable) pain. The cuffs did not draw blood.

       Next, a sojourn in a bare cell while Laurel and Hardy combed through my belongings. Imagine the sweaty smiles that must have wreathed a pair of bovine faces when they came across the single joint that I always carry as insurance (truly medical marihuana) against the arthritis pain that Motrin and Celebrex sometimes fail to alleviate. How pleased they must have been, these bumbling paragons of law and order, that they were then able to confiscate my money ($170), because foreigners (as I was later told) have no legal rights in Basel. Surely, the fuzz smoked the joint.

         Thus, on your next visit to Switzerland (which you probably can’t afford) you might want to give Basel a miss, in favor of Zurich—the country’s financial and cultural capital—with its ubiquitous sidewalk cafes and water so clear in its lake and river that a score of places offer bathing in summer (at night the venues transform into bars and cafes).

         But although one might admire the Swiss, despite their starchy efficiency, one does not easily come to love them. Based on the admittedly tiny sample I have met or observed in the German speaking region, many seem too tightly wound, unwilling or unable to deviate from mandated patterns such as crossing an empty street against the lights despite no traffic in sight. Rules, rules, rules—isn’t that a German trait, just as the Russians love dictators and Americans are overly self-indulgent?

       Unfair perhaps to generalize, especially as my own friends in Zurich are longtime fight-the-system types, veterans of a literary and cultural underground that earlier included Erasmus, Hans Holbein and Paracelcus. Doubtless there are hundreds if not thousands of others like them.

      Switzerland is a beautiful country and in most ways a very benign one. You’d think that with five languages to contend with that cohesion might be elusive, but not at all. The Swiss pride themselves on their uniquely successful multi-culturism. Freedom of speech and expression is cherished, reinforced by a vast number of daily papers (four free ones in Zurich alone) in every European language (plus the incomparable Herald Tribune and at every newsstand.

     Money, however, is at the heart of the Swiss psyche and a superior standard of living is bound to deter less well-heeled visitors. Fancy paying almost $12 for  MacDonald’s cheeseburger or four bucks for a two-stop tram ride? It’s not in everybody’s budget.“

Text by  John Wilcock, cofounder of the Village Voice and Andy Warhol’s Interview, has been a columnist for 51 years. Since leaving The New York Times he has written books about 30 countries. http://www.ojaiorange.com/index.html

[81] jetzt wird’s ein bitz redundant : die erlösungsfantasien in bezug auf LSD waren ja doch virulent : und auch nicht unbegründet. es gibt erlebnisse mit LSD, die ich sonst wohl nicht gehabt hätte. und sie sind, für mich, in dem zeitpunkt, durchaus ausschlaggebend gewesen. (da wüsste man wohl gerne mehr, warum. jetzt bin ich grad unentschieden : was soll ich sagen? ich bin kein mystiker, kann aber gewisse selbstnaheerkenntniserfahrung im zusammenhang mit einem generellen daseinsnichts+alles nicht verkennen. also : es ist schon etwas passiert : sparchlos. ob das jetzt nitzsche oder zen oder irgendwas ist, ist wurscht. viele haben ähnlich wortlos gewurschtelt – die wortvollen waren aber immer noch suspekter, weil dem erleben unadäquater. ich möchte dazu mehr sagen, weil ich denke, dass grundlegende wahrnehmungsverschiebungen stattfinden können, die zu einem verhalten führen, das kulturell sich nie durchsetzen konnte. (dh.: dass das wahrnehmungsspektrum sich öffnet : das ‚pluri’, das vielfältige, das diverse, das ambivalente : das wird möglich : dualität wird aufgehoben : es ist vieles parallel möglich : die distinktionen zwischen einer und vielen dimensionen wird überflüssig, weil es ganz einfach ist, viele dimensionen gleichzeitig wahrzunehmen. vielleicht ist das der einzige gemeinsame nenner bei vielen LSD-erfahrenen : dass vieles möglich ist, dass die toleranzgrenze aufgehoben wird : dass man auch erkennt, dass das erkennen, erfahren unendlich ist. (das ist alles ungenügend : aber was solls.))

dass aus diesen erfahrungen wunderlichste bewegungen entstanden sind : naja : ich kenne das bedürfnis, diese (halt letztendlich doch mystische) erfahrung mit anderen zu teilen : aber wenn es religiös wird, wird’s mir skeptisch : ich mag die skeptiker unter den mystikversehrten (and i guess they like me).

zum lesen gab es rudolf gelpkes „drogen und seelenerweiterung“ („vom rausch im orient und okzident“) : eine ethnologisch-historische forschungsarbeit zu drogen und ihre kulturelle einbindung. gelpke hat über kulturelle grenzen, und über alle vorurteile gegenüber kulturell nicht akzeptierte stimulanzien hinweg, gezeigt, was drogen bedeuten, wie sie kulturen beinflussen : und damit vor allem auch klargemacht, dass jede droge in kulturellem kontext wahrgenommen werden muss, und in jede andere kultur, falls eine auseinandersetzung mit den wirkungen stattfindet, übernommen werden könnte. die interpretation dieser ‚übernahme in eine andere kultur’ ist meine : sein buch hat mir wesentlich geholfen, zu haschisch und opium einen zugang zu finden, der kulturell prägend ist. (das ist bitz blabla : obwohl ich immer skeptiker mit neigung zum mystischen war, oder erstmal mystiker mit skeptischen anflügen : gelpke hat die möglichen resultate der drogen im kulturellen kontext aufgezeigt und sie damit auch entdämonisiert. das ist das wichtige an seiner arbeit. er hat aber auch, und das ist wunderschönst, und damit kommen wir, sehr seltsamerweise, da es sich eigentlich um niederschriften von oraler literatur handelt, wieder zum lesen, auch die erzählungen von markterzählern in persien aufgeschrieben und publiziert : und no wonder : es sind die erzählungen aus eintausendundeinernacht.

[82] „der solipsist in der heide“ : schöner verehrungstitel : aber vielleicht könnte man das heute bitz anders sagen : armer (lieber) arno, wieso hast du dich nie verliebt? warum blibst du lebenslang polizistentrotzsohn : alle interpretationen sind doof : er hat sich vom gerburtz zum getödt durchgesch hmmm – was auch immer : so funny, sometimes, worth reading it.  for those who are hmm what, - born in the 50’es, preferably in germany). arno schmidt hat mir wege der sprache bitz klar genacht : das stakkato. die verbindung von poesie zu schüttstein. vielleicht das. und humor hat er, einen ganz schuhsohlenverbissenen : da ist charlie chaplin ein wellfare-bezüger und buster keaton ein intellektueller dagegen : so verkrampft ist keiner (und ich enthalt mich jetzt der quotes - weil die tun nur weh). all das gejammer kommt nur, weil ich ih sehr gern gelesen hab, damals, und jetzt so sehr nicht mehr weiss, wer ich damals als lesender war (ich weiss es wohl, bin aber ganz fremd zu dem damals : als ob ein jemand das gelesen hätte. und die lese = subjekkt = oh ja, ich : schiene, die fahren wir jetzt nicht. gäll : gute demonstration des 70-daseins (weiss nicht, so eben nicht, aber ich war ja immer bitz anders (go kill yourself, right!“))

[83] „warten auf godot“ hat mir nie mein entsetzen repräsentiert, eher schon flauberts „bouvard und pécuchet“, oder vielleicht haben sie zusammen in gegenwirksamkeit ein entsetzen formuliert, das annähernd meinem entsetzen verständlich wurde. auch die theatralen umsetzungen, bis heute, von becketts stücken sind mir fremd. „murphy“, sein erster publizierter roman, war mir näher, auch „watt“. und irgendwann, war klar, soweit klar sein kann („thick as a brick“ und „tried again, failed again, failed better“), was er sagen wollte : und das war mir wesentlich (und jetzt sollte ich erklären, warum sein „tried again, failed again, failed better“ eine ganz andere qualität hat als das „i have nothing to say but i say it“ von john cage – but that’s probably obvious but it escapes me).

[84] stanislaw groof war wohl der einzige publizierte, der mit LSD halbwegs sinnvolle wissenschaftliche arbeit leistete. als er aber, in den 80er jahren, so quasi im hallenstadion (bitz bös das, war wohl irgendein hotel) zum symposium gebeten hatte, war meine kennenlernlust grad weg. das war dann doch bitz esoterisch – ob er es zum gurustatus geschafft hat oder gar nicht intendierte, weiss ich nicht. aber eine ‚gemeinde’ war da schon im entstehen, kurzfristig. LSD als heilmittel für alle psychischen leiden. das sind missverständnisse, die mit jeder not mitentstehen : wer leidet, geht nach lourdes, wenn denn gar keine rettung mehr da ist. oder man gesteht sich ein, dass man schlicht verreckt, ohne jede hilfe und einsicht : wenn denn gott schon tot ist, einleuchtend von nietzsche beschrieben und das individuum, kaum eingesetzt, auch verschwindet (foucault) : dann ist die autonomie wohl definitv erreicht für den zellhaufen mensch : ab, verschwinden, verregnetes tuschzeichen : und davor : die revolte! (rimbaud). das ist alles erkenntnis gegen vorschnelligkeit : (des selbstverständnisses, der wissensgesellschaft) (da hab ich jetzt grad einen (vor)schnelldurchgang gemacht : das könnte man alles poetisieren und in bilder verpacken : ein rudel menschengespengster, alle in leintücher verpackt (spectres : die sieht man ja nicht, wenn sie nicht was materielles um sich hängen wie bilder, wörter oder leintücher) versucht sich in einem spiegel zu sehen und verschrecken sich gegenseitig, wenn sie sich als spiegelbilder missverstehen : hui : ein spuk ist das, ein veritabler!)

[85] ken kesey hat das ganze ‚merry prankster’ durcheinander sehr klarsichtig organisiert – mit „one flew over the cuckoo’s nest“ hat er einen beachteten romanerstling (1962) publiziert, der dann später mit jack nicholoson (von easy riders gnaden) verfilmt – und auch mitfinanziert wurde.

[86] tom wolfe hat das buch unter diesem titel publiziert : sein subjekter travelogue zu den merry prnkster-ausfahrten : reiseberichte sind doch mit vom schöneren, was an belle et triste vorhanden ist.

[87] und grad adorno und horkheimer haben einen schönen text geschrieben zu den gefahren der militanten aufklärung (dialektik der aufklärung) : wie halt alles einseitige ins diktatorische verfallen kann : das wär eigentlich der metatext für die hippies gewesen. vielleicht ist aber das chaotische in der bricolage zur form gekommen : im gebastel zwischen text und gefühl : bauchbuchwurmig vielfältig : so sind aufbrüche in ihrer undefiniertheit wohl : die akzeptanz von ‚art brut’, den ‚outsidern’ in der kunst, die neue rezeption von rimbaud, artaud, auch goya wurde möglich in der wirrung, die zur norm deklariert wurde. man darf nicht unterschätzen, dass es ein wesentlicher bruch gab in der bewertung von kunst : das ‚abnorme’ wurde rezipiert und geschätzt. (und ein ganz banaler nachsatz zum alltag : die hippiekleidung, der bruch mit tradition auf der ebene des dresscodes, hat doch auch viele kv-lehrlinge mit verspätung vom kravattenzwang befreit.) zudem, sehr quer und bitz märchenhaftig + dogmatisch (weil ‚etwas herausfindend’) war da claude levy-strauss sehr präsent: erst mit den ‚traurigen tropen’, dann aber mit dem ‚wilden denken’: das mir wesentlich den zugang zu meinem persönlichen ‚art brut’ denken, das ja per definitionem kein art brut denken ist, sondern wenn schon wildes denken und so weiter. ‚ide ipsum’ würd ich grad gerne sagen, weil mir das einfällt, aber ich hab keine ahnung, was das heisst – drum lass ich es weg, gäll.

[88] „But I’m not a serpent, I tell you!“ said Alice. „I’m a – I’m a ....“

„Well, What are you?“ said the Pigeon. „I can see you’re trying to invent something!“

„“I – I’m a little girl,“ said Alice, rather doubtfully, as she remembered the number of changes she had gone through, that day.

lewis caroll alice’s adventures in wonderland

[89] die erledigung von denkansätzen und –bewegungen, die durchaus neu sind, durch die akademie ist ein bekanntes phänomen : hegel, schopenhauer, nietzsche : bewunderung und entzauberung gehen zyklisch mit der eintönigen langeweile des widerkäuens einher : die demokratisierung des denkens geht nicht parallel mit der einsicht (das mag arrogant tönen : und ist auch bitz so gemeint : ich mag die foucaultexegeten nicht mehr hören : ist wie immer : im anhänger fährt das vieh, am steuer sitzt der metzger (und ich bin versucht zu sagen : zum glück!)). ich bin ja auch erstaunt : ich versuch noch immer die konsequenzen von foucaults denken und seine spässe zu verstehen, und schon ist das alles doktrin. wenn der mensch mit seinem denken so einfach gestrickmustert ist : warum ist denn nicht schon alles klar? da hätten wir ja seit hammurabi bis heute alle probleme gelöst und könnten in ruhe mit gott einen pastis vor dem odeon trinken (auch ein schönes büchlein : giovanni blumer und anton bruhin: „gott lebt“ (verlag? finds grad nicht : wer zu viele bücher hat... – hätt gern auch einen kurzen spruch zu gott draus zitiert, weils erhellend ist, bei einem pastis...) als ersatzdroge, methadon für das opiumersatzmittel religion : johann most (*1846 in augsburg, † 1906 in cincinnati, usa, emigrant und imigrant, von planet zu planet): „unter allen geisteskrankheiten, welche, ‚der mensch in seinem dunklen drange’ sich in den schädel impfte, ist die gottespest die allerscheusslichste“ (ist halt bitz plump, aber eine klare aussage, wenigstens) und mao tse tung (von da bis da, kümmert nicht mehr so sehr, 20.jahrhundert): „probleme ideologischen charakters oder streitfragen, die im volke entstehen, können nur mit der methode der demokratie, mit der methode der diskussion, kritik, überzeugung und erziehung, nicht aber durch zwangs- und unterdrückungsmassnahmen gelöst werden“ : war mao ein schweizer? könnte auch von pestalozzi sein. aber die ‚gott lebt’-sprüche waren eher à la „gott sass gerade bei seinem pastis, als jesus, sein sohn, ihn fragte : ‚warum hast du die welt erfunden?’“ und gott sagte, „frag deinen biologischen vater, der heisst geist“ – das ist jetzt 2008 von mir, und vielleicht nicht im pastisgeiste von gianni und toni).

[90] mens sana in biokörnli sana : dagegen hab ich nichts einzuwenden, aber in den 70ern driftete das auch kurz mal ab in esoterik : so gesund schienen mir die körnliesser auch nicht immer zu sein – manchmal ist dann mens in die mensa essen verwurschtet. seis drum : das nahrungs- und nahrungsproduktionsbewusstsein hat doch sprünge gemacht. wohin weiss ich auch nicht : es scheint sich aber, in der ungeniessbarkeit, wieder einiges zu verbessern. dass sich noch längst nicht alle an dem biogemüse erquicken können, ist einem globalen defizit an bewusstsein zuzuschreiben : und dafür ist wieder niemand verantwortlich. es ist nach wie vor so, dass es trikont und primärwelt gibt.

[91] der überbogen, der generalisierungsbogen, der erlösungsflug : das ist nicht mein fach, so gerne ich jetzt einen hinweis auf das überleintuch des superspectres geben würde : ich habs nicht gesehen = i’m not an eyewitness für ausserirdisches und metareligiöses.

[92] RULES RULE RULES

OUT :

SO THERE :

A LIFE BEYOND :

WHAT EXACTLY OR WHAT WHATSOEVER :

AN ENQUIRY re:  „LIFE  IN GENERAL“ and „LIFE RELATED EXISTENCIES“ and what might be the result of it

AND HOW THEY (the lifes) MIGHT BE PERCEIVED, JUDGED, RULED, APPROVED AND DISAPPROVED, NEGLECTED, TRANSFORMED AND COMMUNICATED in society, politics and interracial & interspecies translocations ie. how do existencies communicate and reproduce amongst each others : OR : what kind of mesures of communication do either individuals of a species or individuals of different species have to exchange basic perceptions of what they think they are or what they don’t think they are. (and anyhow : what they never thought of what they might be or not might be : whatever illusions, delusions, misconceptions, hallucinations etcetera). how do they define that they think they are thinking. how do they relate the fact that they do not think to the assumption that they are thinking. how do some of them realize that they are not thinking while assuming to be thinking and how can they handle this outcome of thinking, result nil re: thinking. why do some of them presume that they are thinking while not thinking, while not even knowing that they are not thinking but assuming that they are thinking. how could those questions be asked without thinking. (those questions are not necessarely in this order, no logical conclusion implied.) (no one should think that those questions are being asked from a position of knowledge or anything similar to it : the dumb is asking the deaf.) (this text might sound oldfashioned, like two hundred years old – but any how : decapitation by sword is still practised in our days. and that’s definitely not the worst case of what is happening.) and what does „thinking“ mean any ways : „thought“, „thinking“ : leading to the question „who am i“ etc. those are very futile questions indeed : but those questions, as stupid as they might be, define us, or at least some of us, as the species homo sapiens sapiens. (all futile – forget all of the above. (if i think about it : forget all of it if you can.))

THE LOOP OF NOT THINKING IS THE PRODUCT OF NOT THINKING. THINKING IS A PRODUCT OF THE LOOP OF THINKING LEADING TO THE LOOP OF NOT THINKING. IT’S ALL FUCKED UP, AND WE CAN EASALY AGREE WITH THAT – BUT IT DOESN’T MAKE ME FEEL EASY OR ANY BETTER. IT’S STILL LOOPING ENDLESSLY : THINKING NOT THINKING – LIKE I KNOW WHAT THAT MEANS.

this is comming to the swift[92] resolution, and definitely not to an end, were we should, could, might be in big trouble re: THE ANSWER.

stating the obvious : THERE IS NO ANSWER – BUT THERE IS A QUESTIONING OF THE QUESTION. (answers left where they are and should be : in limbo, hell, heavens, whoknowswhere and iratherdon’tknowwhere : in the fuckofflandish marshlands of bleak swamps.)

BASICALLY, (if there are any basics, which i doubt, based on the above) it is about

HOW DOES THE WORLD LOOK LIKE IF YOU HAVE YOUR PANTS DOWN AND THE WORLD DOES TOO? (the “MOONING EPIDEMY“ it’s called, the „MOONING ACADEMY“ it should be christened (god forsake : christ, the fucked up hero of a fucked up civilisation should be kept out of this this story – he fucked himself up and his godfather and his hail mary fucked around like junkies : all believing in god : i talk like i was raised as a christian but i wasn’t : i just realize how much christianjezzzusfuckmary ruined the western civilization up till today! freaking fuck : are we all on drugs? : can’t we get rid of a hangover from a weird drugged dog? (for ever and a day)). (easy i say, filibustering away, ruling my day and giving a flying weasel on a farting cat about your yahyahing donkeys and yahooing prime ministers : i’m not your BUSTER, john doe, i am your END, cause i’m not dead.

LOOKS SIMPLE, SOUNDS SIMPLE, BUT OBVIOUSELY IS NOT SIMPLE : BUT : THE „RULES RULE RULES OUT“ GIVES THE ANSWER :

(AND THAT’S EXACTLY WHERE I COULD MAKE MONEY BY ANSWERING THE QUESTI0N – BUT SINCE I DECIDED LONG TIME AGO TO LIVE LIKE A BUM AND DIE LIKE A BUM (WHATEVER THAT IS : I’M THE BUM I AM, AND HOPEFULLY UP MY BUM)) :

OK : HERE IS THE ANSWER EVERY HONEST GOD AND GODDESS (INEXISTING IN THEIR OWN REIGN AND BEING VERY MUCH AWARE OF THAT FACT, hopefully says i, the author of those swift remarks) WOULD PRODUCE:

„I HAVE NO FUCKING CLUE!“

AND THAT IS, IN A FEW WORDS OR LESS, THE MEANING OF THE RESERCH PROJECT :

„RULES RULE RULES

OUT :“

„NO FUCKING CLUE, I HAVE, TO BE HONEST“

and even honesty is not one of the gods and godesses, goose and ganters prime qualiites – for now and today : i give em a break.

cheerio – and see you – hmm 

THE LOOP OF STUPIDITY RULES THE RULES OF THE RULES

THE RULES RULE THE RULES ∞

OUT

[93] schluss ist jetzt, weil ich grad nicht mehr weiterschreiben will, so einfach ist das. kein cliffhanger. einfach : jetzt : bumm ende!

[94]„fat freddys cat“ von gilbert shelton ist auch ein kommentar zu den haschischverdampfungen der 60’ies : wunderschöne gegenwartsethnologie!

[95] historification : sein leben mitschreiben, im schreiben auch immer wieder das leben neuerfinden, auch retrospekivneuschreiben : dazu auch saussure, der in allen gedichten den namen der helden sich repetierend ‚gehört’ hat (> barthes: ‚der entgegenkommende und der stumpfe sinn’ : „Saussure ist für seinen Cours de linguistique générale bekannt, aus dem ein Grossteil der modernen Linguistik hervorgegangen ist. Nun beginnt man aufgrund fragmentarischer Publikationen zu erkennen, dass das grosse Vorhaben des Genfer Gelehrten keineswegs darin bestand, eine neue Linguistik zu bergründen (er schätzte angeblich seinen Cours nicht sehr hoch ein), sondern den (recht skeptischen anderen Gelehrten eine Entdeckung vorzulegen und aufzudrängen, die er gemacht hatte und die die Obsession seines Lebens war (weitaus mehr als die strukturale Linguistik): nämlich, dass im dem Vers der alten Dichtung (der vedischen, griechischen, lateinischen) irgendein Name (eines Gottes, eines Helden) existiere, der vom Dichter auf einigermassen esoterische, aber regelmässige Weise darin eingeflochten wurde, wobei dieser Name durch die sukzessive Selektion einiger vorrangiger Buchstaben zu erkennen ist. Die Entdeckung Saussures ist letzlich die, dass die Dichtung doppelt ist: Faden auf Faden, Buchstabe auf Buchstabe, Wort auf Wort, Signifikant auf Signifikant. Nachdem Saussure dieses anagrammatische Phänomen wahrgenommen hatte, glaubte er tatsächlich, es überall anzutreffen; er war von ihm umzingelt, er konnte keinen Vers lesen, ohne aus dem Rauschen des ersten Sinns einen feierlichen Namen herauszuhören, der durch den Verbund einiger, scheinbar über den ganzen Vers verstreuter Buchstaben gebildet wird.“) daraus macht barthes wieder einen schönen schlittschuh, ja, ein paar : und das schleiffschühlet er auf signifikant und signifakat direkt in seine eigene obsession : die obsession, die mir so sehr nahe liegt : die obsession des liebens. und dafür will barthes beweise finden (barthes sur barthes) : und das will ich nicht (die liebe leben, ja  – beweise finden : das ist mir fern). mein leben handelt nur davon „de l’amour“, „über die lemuren“. das von barthes – so meine interpretation – auch. und barthes tritt hier darum auf, weil er einer der gescheitesten war, der zu der zeit von der liebe gesprochen hat, so wie stendhal ein jahrhundert zuvor (Fragments d’un discour amoureux, 1977). (öppe drumm, oder so.) und ganz nebenbei : wenn ich am plodderen bin : barthes hat auch seine „barthes sur barthes“ und die „Fragments d’un discour amoureux“ in enzyklopädischer form publiziert und die zufälligkeit der lemmatafoge in übersetzungen gewünscht : das ist eine, mindestens für mich, schöne einsicht : linearität lässt sich auf verschiedenste arten herstellen : soviel zur geschichte. und da kommt dann gleich auch foucault. und pierre bayle war auch schon immer ein bitz da : schwirrend, leuchtend : schwupps, immer noch eine idee verknüpfend, widersprechend, sich selbst und allen : und das ist dann seine aussage. raimundus lullus, der auch eine schöne sprache erfunden hat, liesse sich dann entfernt mit dem gegenwärtigen erfinder p.m. ("bolo bolo") in verbindung setzen - aber das soll p.m. selbtst entscheiden.

[96] “It’s a miserable story!” said Bruno. “It begins miserably, and it ends miserablier. I think I shall cry. Sylvie, please lend me your handkerchief.” “I haven’t got it with me,” Sylvie whispered. “Then I won’t cry,” Bruno said manfully. “There are more Introductory Verses to come,” said the Other Professor, “but I’m hungry.” He sat down, cut a large slice of cake, put it on Bruno’s plate, and gazed at his own empty plate in astonishment.

lewis caroll: sylvie & bruno